Notfälle : 14 Brandtote in Hamburg in 2018: Fehlalarme gestiegen

Ein Feuerwehr-Warnschild. /Archiv
Ein Feuerwehr-Warnschild. /Archiv

Mehr als 12 000 Mal rückt die Hamburger Feuerwehr im vergangenen Jahr zu Bränden aus, doch in mehr als der Hälfte der Fälle handelt es sich um Fehlalarme. Für 14 Brandopfer kommt jede Hilfe zu spät. Jeden Tag hilft und rettet die Feuerwehr mehrere hundert Menschen.

shz.de von
15. Mai 2019, 15:21 Uhr

Die Zahl der Brandtoten in Hamburg ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. 14 Menschen kamen bei Bränden ums Leben, wie Feuerwehrchef Christian Schwarz am Mittwoch bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2018 sagte. Das waren zwei mehr als 2017 und vier mehr als 2016. Drei weitere Brandtote zählte die Feuerwehr in ihrer Statistik nicht mit, weil die Feuer in verbrecherischer oder suizidaler Absicht gelegt wurden. 344 Menschen wurden bei Bränden verletzt und von der Feuerwehr in Krankenhäuser gebracht. Im Jahr davor waren 334 Verletzte gezählt worden.

Die zweitgrößte Berufsfeuerwehr Deutschlands musste im vergangenen Jahr 12 257 Brandalarme bewältigen. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (11 178 Alarme) einen Anstieg um 9,7 Prozent. Allerdings waren mehr als die Hälfte der Meldungen - genau 6327 - Fehlalarme. Die Zahl der Falschalarmierungen erhöhte sich damit um knapp elf Prozent im Vergleich zu 2017 (5703). Erfreulich: Die Zahl der Großbrände sank auf zwölf und damit auf den tiefsten Stand in der Geschichte der Hamburger Feuerwehr. 1980 hatten die Einsatzkräfte noch 145 Großbrände löschen müssen.

Die Zahl der Einsätze insgesamt verringerte sich um minimale 0,27 Prozent auf 287 743. Die weitaus meisten davon waren Rettungsdiensteinsätze (253 168). Im Schnitt rückte die Feuerwehr 788 Mal pro Tag aus. «Es ist keine Trendwende erreicht», sagte Schwarz. Langfristig werde die Zahl der Einsätze weiter steigen, weil Hamburg nach wie vor wachse.

Die Stadt baut darum das Personal aus. Im vergangenen Jahr kamen 130 Mitarbeiter hinzu, so dass jetzt insgesamt 3168 Menschen bei der Berufsfeuerwehr arbeiten. Weitere 2614 Hamburger engagieren sich bei den 86 Freiwilligen Feuerwehren. Die Jugend- und die Minifeuerwehren für fünf- bis zwölfjährige Kinder verzeichnen Zulauf. Die Berufsfeuerwehr hat eine Bewerberkampagne unter dem Motto «Feuer im Herzen? - 112 Prozent Einsatz für Hamburg - Bewirb dich jetzt!» gestartet.

Ein Grund für den leichten Rückgang der Einsätze war auch das weitgehende Ausbleiben schwerer Unwetter. Hatten 2017 noch die Herbststürme «Sebastian», «Xavier» und «Herwart» die Retter in Atem gehalten, so war es 2018 vor allem das Tief «Ursula», das am Himmelfahrtstag im Osten der Stadt zu Überschwemmungen führte. Die Feuerwehr leistete im vergangenen Jahr 22 318 Mal technische Hilfe, nach 23 535 Einsätzen dieser Art im Vorjahr (minus 5,2 Prozent).

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende bleibt die Kampfmittelräumung eine wichtige Aufgabe der Hamburger Feuerwehr. Der Kampfmittelräumdienst beseitigte im vergangenen Jahr 3,7 Tonnen Munitionsreste, darunter acht große Sprengbomben mit einem Gewicht von über 100 Pfund. Im Vorjahr war die Menge mit 10,3 Tonnen erheblich größer gewesen. 2016 hatte sie ebenfalls rund 3,7 Tonnen betragen.

107 Feuerwehrleute wurden im Jahr 2018 im Einsatz verletzt, 10 mehr als im Vorjahr. Nicht jeder zeigte Verständnis für die Arbeit der Retter: Die Feuerwehr schrieb 97 Anzeigen wegen Angriffen und Beleidigungen. Im Vorjahr war 66 Mal Anzeige erstattet worden. Der Leitende Branddirektor Schwarz führte den Anstieg auf die bessere Dokumentation solcher Übergriffe zurück.

Innensenator Andy Grote (SPD) dankte allen Feuerwehrleuten für ihre Einsatzbereitschaft. «Bei konstant hohen Einsatzzahlen hat die Hamburger Feuerwehr im vergangenen Jahr einmal mehr ihre enorme Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt», sagte der Senator. Die Feuerwehr revanchierte sich für das Lob mit einer schwarz-gelben Einsatzweste, die auf dem Rücken die Aufschrift «Behördenleitung BIS» trägt. BIS ist die Abkürzung der Behörde für Inneres und Sport.

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