Zwei Glocken für St. Marien

Zwei neue Glocken für den Nordturm von St. Marien: die „Ratsglocke“ und die „Glocke der Gastfreundschaft“.Bis sie den ihnen zugedachten Platz erobern, sind die Glocken im Westwerk von St. Marien zu bewundern.
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Zwei neue Glocken für den Nordturm von St. Marien: die „Ratsglocke“ und die „Glocke der Gastfreundschaft“.Bis sie den ihnen zugedachten Platz erobern, sind die Glocken im Westwerk von St. Marien zu bewundern.

In der Lübecker St. Marienkirche sollen endlich wieder neun statt nur sieben Glocken das Geläut ergeben

shz.de von
23. Januar 2019, 15:18 Uhr

Ab Ostern werden neun statt bisher sieben Glocken im Geläut der Lübecker St.-Marien-Kirche erklingen. Die beiden schwergewichtigen „Nachzügler“ sind soeben frisch in der Hansestadt eingetroffen. Bis sie erklingen können, bedarf es aber noch einiger Arbeiten.

„Der Glockenstuhl muss erweitert werden“, erläutert Volker Schulze, Vorsitzender des Bauvereins und ehemaliger Pastor an St. Marien in Lübeck. Der jetzige Glockenstuhl entstand im Jahr 2005 aus Eichenholz. Damit die 453 und 580 Kilogramm schweren Glocken Platz finden, wird der vorhandene Glockenstuhl um zwei Stühle erweitert. „Und am Schluss wird eine neue Läuteordnung programmiert“, so Schulze.

Gegossen wurden die Glocken aus Bronze im November vorigen Jahres in der Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn. Danach wurden sie patiniert, gestimmt und mit Schriftzügen versehen: einmal die „Ratsglocke“ mit der Inschrift „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer 29) – ihr Pate ist Bürgermeister Jan Lindenau, sowie die „Glocke der Gastfreundschaft“ mit der Inschrift „Die Gastfreundschaft vergesst nicht!" (Hebräer 13,2) – Patin ist Bischöfin Kirsten Fehrs.

„Wir freuen uns außerordentlich, dass St. Marien nun wieder eine Ratsglocke hat“, zeigt sich Pastor Robert Pfeifer begeistert. Die alte Glocke sei im Zweiten Weltkrieg verschollen gegangen, über ihren Verbleib könne man nur spekulieren. „Mit der „Glocke der Gastfreundschaft“ haben wir ein aktuelles Thema aufgegriffen. Wir wollen damit unsere Weltoffenheit und Toleranz zeigen“. Ihn beeindrucke darüber hinaus heute etwas Bleibendes für kommende Jahrhunderte und Generationen geschaffen zu haben.

„Die Läuteglocken rufen mehrmals am Tag mit mehrstimmigen Chorälen zum Gebet“, berichtet Volker Schulze. „Und zwar um 8, 12 und 18 Uhr.“ Außerdem läuten sie zu jeder halben Stunde einen halben Choral und einen ganzen zur vollen Stunde. „Das neue Geläut wird sehr viel schöner und voller erklingen – mit den zusätzlichen zwei Glocken gewinnt es an Strahlkraft“, so Schulze.

Der Einbau der neuen Läuteglocken erfolgt im April durch die Firma Iversen Dimier. Betreut wird das Projekt von dem Hamburger Architektenbüro Johannsen und Partner. Die Kosten für die neuen Glocken betragen 80 000 Euro, die der Lübecker Professor Hans-Heinrich Otte spendete. An seinem 93. Geburtstag, Mittwoch, 23. Januar 2019, werden die Glocken in einer kleinen Andacht um 15 Uhr im Westwerk von St. Marien eingeholt. Ihre Einweihung ist an Palmarum, 14. April, im Gottesdienst um 10 Uhr.

Auch der Südturm erhält eine neue, zusätzliche Glocke – denn die größte der Glocken, auf ein dunkles c‘ gestimmt – fehlte bisher. Sie wurde ebenfalls im November gegossen und wiegt stolze 2400 Kilogramm. Auch sie ist die Spende einer Einzelperson. Aus logistischen und baufachlichen Gründen erfolgt ihr Einbau erst nach den Nordturm-Glocken. Einweihung dieser Glocke ist für Mitte Mai vorgesehen. Zuvor werden 14 der insgesamt 36 Glocken ausgebaut und nach Sinn transportiert, wo sie gestimmt werden. Das Glockenspiel stammt ursprünglich aus der Kirche St. Katharinen in Danzig. Es wurde 1953 wiederhergestellt und in den Süderturm von St. Marien eingebaut. Das alte Glockenspiel im Dachreiter wurde in der Bombennacht zum Palmsonntag 1942 zerstört.

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