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Zirkus um das Lübecker Flüchtlings-Containerdorf

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübecker Containerdorf soll Flüchtlinge aufnehmen, aber der Platz ist für ein Zirkusgastspiel vermietet

Das derzeit leer stehende Containerdorf auf dem Lübecker Volksfestplatz bereitet der Hansestadt großes Kopfzerbrechen. Gedacht als Kurzeitunterkunft für etwa 3000 Polizeikräfte während des G7-Außenministertreffens soll es nun auf Drängen des Landes umgerüstet werden zu einer Erstaufnahmeeinrichtung für etwa 600 Flüchtlinge.

Lübeck hat sich damit zwei Probleme eingehandelt: Zum einen regt sich heftiger Protest im Stadtteil Bornkamp nachdem bekannt wurde, dass dort ein Neubau entstehen soll, der in etwa einem Jahr als Erstaufnahmeeinrichtung für die 600 Flüchtlinge diene. Zum anderen erweisen sich die vorhandenen Container auf dem Volksfestplatz nicht als Glücksfall, sondern als Hindernis: Die Stadt hatte nämlich schon vor langer Zeit die Fläche dem Circus Krone zur Nutzung im September vergeben. Circus Krone – nach eigenen Angaben der größte Europas – will vom 11. bis 16. September auf dem angestammten Platz an der Travemünder Allee sein Programm „Evolution“ präsentieren (Aufbau- und Abbauzeit nicht mitgerechnet). Dafür müssten die Container aber aus dem Weg geräumt werden, um Platz zu schaffen für die mobile Zirkuswelt.

Der Zirkus steuert Lübeck nach seinem Gastspiel in Kiel an, anschließend geht es nach Neumünster. Krone hält offenbar an seinem Tourplan fest. Auch gestern noch konnten online Karten für die Vorstellungen in Lübeck gebucht werden. Eine Änderung dürfte kaum möglich sein. Alternative Flächen für Zirkusse dieser Größenordnung sind in der Hansestadt aber nicht vorhanden.

Seit Anfang März sind die Stadt Lübeck und das Land Schleswig-Holstein im Gespräch, um die weitere Nutzung des Containerdorf zu klären. So wurde es jedenfalls den Mitgliedern des Hauptausschusses der Lübecker Bürgerschaft mitgeteilt. Man sei mit der Stadtverwaltung Lübecks in den letzten Tagen zur Übereinkunft gekommen, das Containerdorf auf dem Volksfestplatz als Übergangslösung zu nutzen und bis zum Herbst 2016 eine neue Erstaufnahmeeinrichtung in Lübeck (am Bornkamp) zu bauen, berichtete Dr. Thiemo Lüße, Leiter des Bereichs für Erstaufnahmeeinrichtungen des schleswig-holsteinischen Innenministeriums.

Ab Ende September sollten die Container auf dem Volksfestplatz als Erstaufnahmelager für Flüchtlinge genutzt werden können. Daraus wird wohl nichts. Die Lübeck mit dieser Problemlage fertig wird, bleibt abzuwarten. Nicht abwarten wollen indes die Anlieger im Lübecker Bornkamp, sie hatten schon gestern am Nachmittag zu einer ersten Protestversammlung aufgerufen.

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