Fall aus Lübeck : Zeugen: Angeklagter im Totschlagsprozess eventuell psychisch krank

Ein 44-Jähriger soll einen 78 Jahre alten Radfahrer auf offener Straße erschlagen haben. Das Motiv ist rätselhaft.

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10. August 2018, 18:32 Uhr

Lübeck | Der Angeklagte, der am ersten Weihnachtstag 2017 einen Rentner auf offener Straße erschlagen haben soll, war zur Tatzeit möglicherweise psychisch krank. Das Erscheinungsbild des 44-Jährigen und seine Äußerungen bei der Festnahme hätten dies nahegelegt, sagte eine Polizistin am Freitag vor Gericht aus. Der Mann habe zu den Beamten, die ihn festnahmen gesagt, sie seien doch die Guten, sagte die Zeugin. Zudem habe er Frauenkleidung angehabt.

Dem 44-Jährigen wird vorgeworfen, den 78-jährigen Radfahrer mit einem Ast erschlagen zu haben. Der Angeklagte äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Ein Zeuge, der den sterbenden Rentner am Straßenrand gefunden hatte, sagte aus, das Gesicht des Mannes sei bis zur Unkenntlichkeit entstellt gewesen. „Da war nichts mehr zu erkennen, das war alles ein Brei“, sagte der 29-Jährige. Der Feuerwehrmann war am Morgen des 25. Dezember auf dem Heimweg vom Dienst.

Ihm sei im Vorbeifahren ein auf dem Radweg liegendes Fahrrad aufgefallen und ein Mann, der sich von dort entfernte. „Ich dachte, er hätte einen Unfall gehabt, deswegen habe ich angehalten und ihn gefragt, ob er Hilfe braucht“, sagte der 29-Jährige vor Gericht. Die Antwort machte ihn stutzig. „Er sagte: 'Geh besser nicht dort hin, das ist kein Mensch mehr'“. Erst dann habe er den Rentner entdeckt, der kurze Zeit später an seinen schweren Verletzungen starb. 

Nach Aussagen des Feuerwehrmannes hatte der Angeklagte einen etwa 80 Zentimeter langen Gegenstand in der Hand, der aussah wie eine Eisenstange. Die Polizeibeamten, die den Angeklagten festnahmen, sprachen dagegen von zwei Holzschwertern, die der 44-Jährige unter seiner Jacke getragen habe. Außerdem habe am Tatort ein etwa 1,30 Meter langer, zwei bis drei Zentimeter dicker Ast gelegen, an dem Blut geklebt habe, sagten die Zeugen aus.  

Hintergrund der Tat könnte möglicherweise eine psychische Erkrankung sein. Eine Sachverständige übergab dem Gericht am Freitag ein vorläufiges Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten. Sollte das Gutachten zu dem Ergebnis kommen, dass der 44-Jährige zur Tatzeit nicht oder nur eingeschränkt schuldfähig war, könne der Haftbefehl in einen Unterbringungsbefehl umgewandelt werden, sagte Richter Christian Singelmann. Darüber soll zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden werden.

Nach Angaben von Nebenklagevertreter Ralf Wassermeyer ist der Angeklagte schon einmal wegen eines Gewaltverbrechens verurteilt worden. Er sei 1999 wegen Totschlags und versuchten Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, sagte Wassermeyer. Der Angeklagte habe 1998 in Hamberge bei Lübeck zwei Autohändler erschossen und einen dritten schwer verletzt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung wollten sich im laufenden Verfahren zunächst nicht zu möglichen Vorstrafen des Angeklagten äußern. Der Prozess wird am 14. August mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt. 

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