Wohnraum geht verloren

Urlaub in der Altstadt:  Wohnen in Ferienhäusern wird immer beliebter. Das gefällt nicht allen.
Urlaub in der Altstadt: Wohnen in Ferienhäusern wird immer beliebter. Das gefällt nicht allen.

Streit um Vermietung von Ferienwohnungen in der Lübecker Altstadt / CDU: Regulierung ist unnötig

shz.de von
18. Juni 2014, 15:58 Uhr

Immer mehr Ganghäuser in der Altstadt werden zu Ferienhäusern umgewandelt. Das hat Folgen. Jetzt ist eine Debatte über die Anzahl der Ferienhäuser entbrannt (wir berichteten). „Zerstörung der Gänge und Gemeinschaft“, „Billig-Sanierung zur Profitmaximierung“, aber auch „Belebung der Altstadt“ und „Hohe Steuereinnahmen“ lauten die gegensätzlichen Argumente.

Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Vermietung der Ganghäuser stark zu reglementieren. So soll abhängig von der Anzahl der Häuser innerhalb eines Ganges nur ein geringer Anteil als Ferienwohnungen genutzt werden dürfen.

In der Gesprächsreihe Zukunftsdialog will die SPD-Bürgerschaftsfraktion mit Initiativen, Vereinen das Thema aufgreifen und beide Seiten zusammen bringen. Unter dem Titel „Ferienwohnungen in der Altstadt – Fluch oder Segen?“ findet am
am Dienstag, 1. Juli, m 19.30 Uhr in der „Diele“ (Mengstraße 41) eine Diskussion statt mit Franz-Peter Boden, Lübecks Senator für Bau und Stadtentwicklung, Harald Quirder (baupolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion) sowie Jan Lindenau, Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion.

„In Lübeck wird der Wohnungsmarkt für Menschen mit geringeren Einkommen genauso immer angespannter. Ferienwohnungen in der Innenstadt verschärfen die Situation auf dem Wohnungsmarkt“, kritisieren die Linken Immerhin seien bereits drei Prozent des Wohnungsbestandes in der Innenstadt in Ferienwohnungen umgewandelt worden. „Auf den ersten Blick mag das nicht viel klingen. Es sind aber die drei Prozent, welche die Mieten steigen lassen, weil der jetziger Leerstand von nur 0,5 Prozent die Mieten steigen lässt“, sagt Ragnar Lüttke, Fraktionsgeschäftsführer der Linken in der Bürgerschaft. Man sehe sich bestärkt darin, dass eine Rückführung der Ganghäuser von Ferien- in Wohnnutzung notwendig sei, „um den Gewinn einer kleinen Gruppe von Besitzenden auf Kosten der Allgemeinheit abzustellen“.

Dr. Burkhart Eymer (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, weist die Behauptung zurück, es würden zu viele Ganghäuser an Touristen vermietet. „Regulierung ist unnötig“, sagt Eymer entgegen: „Nur etwas mehr als acht Prozent der Ganghäuser werden als Ferienwohnungen an Touristen vermietet. Eine Regelung der Stadt, die die Vermietung einschränkt, schafft zusätzliche Bürokratie und ist sehr schwer zu überwachen. „Die Hansestadt lebt von seinen Touristen“, betont Burkhart Eymer. „Das Wohnen in den Ganghäusern stellt für diese ein besonderes Erlebnis dar. Allerdings sollten die Vermieter ihre Gäste auf die besondere Situation und die Lärmprobleme in den Gängen hinweisen. Eine gewisse Selbstregulierung der Anbieter und ein Verhaltenskodex für Touristen halte ich für die bessere Alternative, übermäßigen Lärm in den Gängen zu vermeiden. Wer sich entscheidet, in einer touristisch exponierten Lage zu wohnen, muss gewisse Einschränkungen durch den Tourismus in Kauf nehmen.“

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