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Lübeck

22. Oktober 2017 | 06:55 Uhr

Wohnen in der Turnhalle

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübeck erwartet im kommenden Jahr 3000 Flüchtlingen / Stadtverkehr stellt seine Sporthalle zur Verfügung

In der kommenden Woche werden rund 100 Flüchtlinge in die Turnhalle des Stadtverkehr Lübeck einziehen. Und das dauerhaft: Der Mietvertrag läuft über ein Jahr. In diesem Jahr rechnet Lübeck mit rund 2000 Flüchtlingen, im kommenden Jahr mit 2700 bis 3000.

Lübecks Sozialsenator Sven Schindler (SPD) und Willi Nibbe, Geschäftsführer des Stadtverkehr Lübeck (SL), haben den Mietvertrag unterschrieben. Erstes Ziel ist, die derweil für Asylzwecke genutzte Turnhalle in Moisling wieder rechtzeitig zum Schulbeginn frei zu bekommen.

„Wir wollten eigentlich die Unterbringung in Sporthallen, Containerdörfern und Zeltstädten vermeiden. Doch angesichts der weiter dramatisch ansteigenden Zahl schutzsuchender Menschen müssen wir jetzt zumindest Sporthallen als Quartiere nutzen“, sagte Saxe. In 25 fünf mal fünf Meter großen Kabinen sollen jeweils vier Personen unterkommen.

Die Sporthalle des Stadtverkehr Lübeck, an der Friedhofsallee, bekommt dafür nicht nur Trennwände, sondern auch eine Küche und einen Waschraum. Die Kinder, die in der Turnhalle leben werden, werden die benachbarten Schulen gehen können.

Statt der erwarteten 1700 wird Lübeck in diesem Jahr voraussichtlich 2000 neue Flüchtlinge aufnehmen müssen.  Trotz einer Verdopplung der Kapazitäten innerhalb eines Jahres auf inzwischen 24 Gemeinschaftsunterkünfte sind die Unterbringungsmöglichkeiten der Hansestadt Lübeck derzeit erschöpft.

Im vergangenen Jahr hat Lübeck 970 Flüchtlinge aufgenommen. „Diese Zahl haben wir in diesem Jahr bereits Anfang Juli erreicht“, sagt Sozialsenator Schindler. Er will zusammen mit Wohnungsunternehmen zügig für neuen Wohnraum sorgen. „Notsituationen lassen sich aber nicht vermeiden.“ In der Planung seien aktuell drei bis vier Containerdörfer, zum Beispiel eines auf dem ehemaligen Autohaus-Gelände auf Marli an der Schlutuper Straße. Schindlers Appell an die Bundesregierung: „Die Asylverfahren müssen schneller abgearbeitet werden.“

Zur Frage eines Standortes für eine Erstaufnahmeeinrichtung in Lübeck, möchte sich Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) nach dem Scheitern des Grundstücksverkaufs am Bornkamp (wir berichteten) noch nicht äußern. Man werde erst mit den Anwohnern möglicher Standorte sprechen, bevor die drei Grundstücke bekannt gegeben werden.

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