Barrierefrei in Lübeck mit „DyFIS Talk“ : Wie eine App Blinden beim Busfahren hilft

<p>Außer in Lübeck ist das Blinden-App-Angebot deutschlandweit nur noch in Marburg (Hessen) verfügbar.</p>

Außer in Lübeck ist das Blinden-App-Angebot deutschlandweit nur noch in Marburg (Hessen) verfügbar.

Das landesweit einzigartige Angebot sagt Busfahrpläne in Echtzeit an und hilft bei der Orientierung im Busverkehr.

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17. Januar 2018, 17:23 Uhr

Lübeck | Seit Kurzem erleichtert eine App Blinden und Sehbehinderten die Benutzung des Busverkehrs in Lübeck. Die App für Stadtverkehr und LVG sagt den Benutzern die Fahrpläne in Echtzeit an und teilt mit, wie weit der Bus noch von der gewünschten Haltestelle entfernt ist. Auch Verspätungen werden so erfasst. Mithilfe von GPS weiß die App auch, wo sich der Benutzer selbst aufhält und hilft bei der Orientierung.

<p>20.000 Euro investierten die Lübecker Verkehrsbetriebe in die App „DyFIS Talk“.</p>

20.000 Euro investierten die Lübecker Verkehrsbetriebe in die App „DyFIS Talk“.

Neben Lübeck steht die App mit dem Namen „DyFIS Talk“ bisher lediglich noch für Marburg (Hessen) zur Verfügung. Hier wurde sie vor anderthalb Jahren eingeführt. „Wir haben mittlerweile Anfragen aus vielen weiteren Städten erhalten“, sagt Rolf Aengenendt, einer der Geschäftsführer von Lumino, dem Anbieter der App. Mit einigen der Städte sei man konkret im Gespräch. Im Grunde würde „DyFIS Talk“ überall funktionieren. Und erst wenn genügend Städte mitmachen, lohnt sich das Geschäft langfristig für Lumino. Denn die für den Endnutzer kostenlose App (für IOS und Android verfügbar) finanziert sich über Jahresgebühren, die die Städte beziehungsweise Verkehrsbetriebe zahlen. 20.000 Euro investierten die Lübecker Verkehrsbetriebe.

Auch bei der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) ist man sehr interessiert. „Wir prüfen, ob man die App auch hier bei uns einführen kann, und sind dafür im Kontakt mit Lübeck“, so KVG-Sprecherin Andrea Kobarg.

„Wir haben bereits etliche positive Resonanz erhalten“, sagt Gerlinde Zielke, Sprecherin vom Stadtverkehr Lübeck, „und das nicht nur von Sehbehinderten. Auch Sehende freuen sich über die einfache Bedienung der App.“ Die Bedienung ist speziell für Blinde angepasst und reagiert wahlweise auf Spracheingabe. Zur Benutzung muss das Handy mit dem Internet verbunden sein. Ob weitere Städte in Schleswig-Holstein planen, das Angebot ebenfalls einzuführen, ist ihr nicht bekannt. Sie sei aber zuversichtlich, dass die positiven Erfahrungen in Lübeck zu einer Entwicklung in diese Richtung beitragen werden.

Karin Greiner vom Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) begrüßt das Angebot in Lübeck. Rückmeldung dazu von Vereinsmitgliedern habe es noch keine gegeben. Daher könne sie nicht beurteilen, wie gut die App in der Praxis funktioniert. Sie wünscht sich jedenfalls eine Ausweitung aufs ganze Land. „Dass die App bisher nur in Lübeck und Marburg angeboten wird, ist ein Trauerspiel“, so Greiner. „Schließlich gibt es überall Blinde und Sehbehinderte. Zumindest jede größere Stadt sollte ein solches Angebot haben.“

Auch die Homepage des Verkehrsunternehmens wurde auf Bedienfreundlichkeit für Blinde und Sehbehinderte überarbeitet. Schriftgröße und Farbkontraste lassen sich entsprechend anpassen, die Seiten wurden auf einfache Vorlesbarkeit und leichte Verständlichkeit der Inhalte optimiert. Hierzu sind öffentliche Bundeseinrichtungen durch die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) verpflichtet. Wer sich nicht daran hält, hat allerdings keine Sanktionen zu befürchten.

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