Wenn schwere Sorgen plagen

Pastorin Marion Böhrk-Martin zeigt Frank Schumacher den Einsatz der neuen Computer.
Pastorin Marion Böhrk-Martin zeigt Frank Schumacher den Einsatz der neuen Computer.

Die Telefonseelsorge in Lübeck ist 24 Stunden am Tag besetzt – 0800/1110111

shz.de von
08. August 2018, 14:58 Uhr

Rund 70 Menschen aus der Region Lübeck wählen täglich die Servicenummer 0800-1110111. Sie möchten anonym mit einem ehrenamtlichen Berater über ihren drängenden Probleme und schwere Sorgen sprechen. Am Telefon der Seelsorge laufen die Computer Tag und Nacht. Deshalb mussten jetzt neue Geräte angeschafft werden.

„Wenn die PC 24 Stunden am Tag im Einsatz sind und abwechselnd von 100 Ehrenamtlichen bedient werden, nutzen sie sich schneller ab“, weiß Pastorin Marion Böhrk-Martin. Sie ist Leiterin der Telefonseelsorge in Lübeck. „Die Computer waren sieben Jahre alt und sehr langsam geworden. Sie zeigten regelmäßige Ausfälle, die für eine gut funktionierende Seelsorgeeinrichtung aber nicht mehr hinnehmbar waren“, berichtet die Pastorin weiter.
So kam Pastorin Böhrk-Martin auf die Idee, bei der Sparkasse zu Lübeck nachzufragen, ob sie helfend einspringen könne. Das Kreditinstitut gab 4500 Euro aus dem PS-Zweckertrag 2017 für neue PC.

„Wir haben nicht gezögert als die Anfrage der Telefonseelsorge kam. Wir unterstützen die wichtige und herausragende Arbeit der Telefonseelsorge Lübeck sehr gern, denn jeder Mensch kann unvermutet in eine Lebenskrise geraten“, so Frank Schumacher, Vorstandschef der Sparkasse zu Lübeck.

„Morgens rufen Menschen an, die depressiv sind und eine Starthilfe in den Tag benötigen“, sagt Pastorin Marion Böhrk-Martin. „Tagsüber geht es in den Gesprächen eher um konkrete Hilfestellungen und Lösungserarbeitungen für ein Problem. Psychisch dauerhaft Erkrankte melden sich, die sich einsam fühlen.“ Ab den späten Nachmittagsstunden bis in die Nacht hinein versuchen Berufstätige, jemanden bei der TelefonSeelsorge zu erreichen: Es geht um Trennung und Scheidung vom Partner, schwere Erkrankungen, Sorge um die alten Eltern, Stress mit den Kindern, Verlust des Arbeitsplatzes, die Unmöglichkeit, wieder eine gute Arbeit zu finden.

„Letztere sind oft sozial gut eingegliedert, haben Familie, Freunde – und dennoch Probleme. Oft sind sie überlastet, und sie wollen sich lieber anonym beraten lassen“, so die Pastorin.

In den Nachtstunden, so ab 4 Uhr, wird es für die Ehrenamtlichen zuweilen hart: Dann melden sich suizid-gefährdete Menschen, die keinen Sinn mehr im Leben sehen und Menschen, die sich selbst verletzen wollen. Hier wird vor allem zugehört, nichts ausgeredet und Mut gemacht, Alternativen zu erkennen.

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