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Lübeck

22. Oktober 2017 | 21:22 Uhr

Verlustgeschäft Stadtwald

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Landesrechnungshof übt deutliche Kritik an der wirtschaftlichen Führung des „Lübecker Stadtwalds“

Der Lübecker Stadtwald wirtschaftet vorbildlich – jedenfalls in ökologischer Hinsicht. Deshalb genießt die naturnahe Waldbewirtschaftung international einen glänzenden Ruf. Das bestreiten auch die Prüfer vom Landesrechnungshof nicht. Aber in allen anderen Bereichen wird Kritik am Unternehmen „Lübecker Stadtwald“ geübt. Der Stadtwald sei bürokratisch verwaltet, und das finanzielle Defizit steige immer weiter, obwohl ein Gewinn angestrebt wird.

Der Landesrechnungshof widmet dem Lübecker Stadtwald gleich mehrere Seiten in seinen aktuellen Anmerkungen. Geht es nach den Rechnungsprüfern, läuft vieles verkehrt. So sei kein Abbau der Verluste erkennbar. Im Jahr 2012 betrugen die Verluste 375  000 Euro. Im Geschäftsjahr 2014 waren es sogar 731  000 Euro. Die Verantwortlichen des Stadtwaldes halten entgegen, dass in der Forstwirtschaft 464000 Euro Gewinn gemacht wurde, wenn man die Naturschutzausgaben heraus rechne.

„Der Stadtwald sollte den tatsächlichen Personalaufwand für seine Produkte ermitteln und die Kosten vollständig berücksichtigen“, sagen die Rechnungsprüfer. So kommt in Lübeck auf 1000 Hektar Wald eine volle Verwaltungsstelle, in Dithmarschen dagegen nur 0,4 Stellen. Probleme sehen die Prüfer des Landesrechnungshofes auch beim Verkauf: „Verkaufsverhandlungen, Preisfindung und Verträge werden wenig oder gar nicht dokumentiert.“

Kritisiert wird auch das Geschäftsmodell der Waldwirtschaft. Die Holzernte bleibe unter dem nach der Forsteinrichtung festgelegten Hiebssatz und beschränke sich im Wesentlichen auf Entnahme einzelner Stämme, die als Wertholz vermarktet werden. „Der Markt für Werthölzer ist ein Nischenmarkt, der begrenzt aufnahmefähig ist“, so der Landesrechnungshof. „Ein wesentlicher Anstieg der Wirtschaftlichkeit ist auf diesem Weg für die Zukunft nicht zu erwarten. Der Stadtwald sollte seine Vermarktungsstrategie ändern.“

Für die Prüfung in der Hansestadt Lübeck gab es einen Grund: Die Stadt hat sich nämlich im Rahmen der Haushaltskonsolidierung verpflichtet, das Defizit in der Forstwirtschaft bis 2015 auf Null zu bringen. Das Fazit der Prüfer: „Es gibt in Lübeck keine Strategie, um dem steigenden Defizit entgegen zu steuern.“ Die Stadt reagiert: Der Stadtwald Lübeck will ab sofort die Holzernte von 11  000 Festmeter pro Jahr auf 16  000 Festmeter pro Jahr steigern, ebenso die Aussagefähigkeit seiner Buchführung verbessern und seine Organisation überprüfen.

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