Und noch eine Brücke für die Bauexperten ...

Die Drehbrücke am Rande der Lübecker Altstadt wird ab Oktober für mindestens acht Monate voll gesperrt sein.
Die Drehbrücke am Rande der Lübecker Altstadt wird ab Oktober für mindestens acht Monate voll gesperrt sein.

Lübeck: Josephinen-Brücke an der Nordtangente marode / Drehbrücke ist ab Oktober für Monate gesperrt

shz.de von
13. Juni 2014, 15:54 Uhr

Die Stadt der maroden Brücken hält immer neue Überraschungen bereit: Bahnhofsbrücke, Possehlbrücke, Lachswehrbrücke und die Mühlentorbrücke sind schwer baufällig, ebenso sind die denkmalgeschützeten Bauwerke Hubbrücke und Drehbrücke Sanierungsfälle. Jetzt gesellt sich auch noch die Josephinenbrücke dazu, die elementarer Teil der Lübecker Nordtangente ist.

Autofahrer müssen in der kommenden Woche viel Geduld mitbringen. Die Straßenbrücke über die Bahnschienen an der Josephinenstraße zwischen Posener und Einsiedelstraße wird am Dienstag und Mittwoch einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Es handelt sich um vorbereitende Arbeiten zur Durchführung einer sogenannten objektbezogenen Schadensanalyse (OSA). Immer wieder kommt es dort zu Asphaltabsackungen in der Fahrbahn, die darauf schließen lassen, dass der Konstruktionsbeton der Brücke beschädigt ist. Um der Ursache auf den Grund gehen zu können, werden einerseits Materialproben in Form von Bohrkernen entnommen. Darüber hinaus werden Materialaufschlüsse in Form von Schürfen und Bohrungen bis in die Hohlkörper des Konstruktionsbetons notwendig. Dienstag und Mittwoch wird von 8 bis 16 Uhr ein Fahrstreifen auf der Brücke zwischen Posener Straße und Einsiedelstraße für den Verkehr gesperrt.

Und dann noch das: Die Drehbrücke soll für die Sanierung von Ende Oktober bis Mai 2015 voll gesperrt werden. Dann wird es zu Staus auf der Nordtangente und am Lindenplatz geben. Eine Ersatzbrücke für die Zeit der Bauarbeiten würde rund 750 000 Euro kosten. Das ist offenbar zu teuer für die Stadt. Die Sanierung ist überfällig. Eigentlich sollte der Stahlbau nach 80 Jahren erneuert werden. Das wäre im Jahr 1972 gewesen. Die Lebensdauer der Lager war nach 110 Jahren im Jahr 2002 abgelaufen. Jetzt muss das komplette Brückenteil herausgehoben, abgestrahlt, behandelt und neu konserviert werden. Das größte Problem ist der Königsstuhl. Er trägt die verschwenkbare Brücke und ist noch ein Originalteil aus dem Jahr 1892. Er ist abgenutzt und muss aufgearbeitet werden.

Geplant ist, die Brücke am 22. Oktober mit einem Kran herauszuheben. Einen Monat später folgt dann der Königsstuhl, dessen Sanierung zwei Monate dauert. Am 5. Mai 2015 könnte nach den Planungen die Brücke wieder eingesetzt werden.

Die Bauverwaltung hat in ihre Zeitplanung das Einsetzen einer Behelfsbrücke eingeplant. Die wird aber vermutlich nicht kommen. Die Bauverwaltung hat mehrere Stellen abgefragt: Die Feuerwehr benötigt offenbar keine Behelfsbrücke. Die Polizei sieht die Situation aber kritisch. Durch die Umbauarbeiten „An der Untertrave“ dürfte sich „die Leistungsfähigkeit der angrenzenden Straßen verringert haben“. Auch die städtische Verkehrsplanung warnt, dass es keine leistungsfähigen Ausweichstrecken gibt: „Die Nordtangente ist während der Verkehrsspitzen bereits stark belastet, was auch für den Holstentor- und den Lindenplatz gilt.“ Die Stadtverwaltung (Bereich Verkehr) kommt aber zu dem Ergebnis, dass die Kosten für eine Behelfsbrücke in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen. Die 750 000 Euro teure Brücke wäre nur 16 Wochen im Einsatz. Und trotz des Ersatzbauwerkes müsste die Strecke im Herbst sechs Wochen und im Frühjahr neun Wochen lang voll gesperrt werden. Der Bauausschuss wird am Montag über die Ersatzbrücke beraten.

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