Tradition und Leidenschaft

Harald Benett in seinem Element: Beim Reet-Schneiden.
Harald Benett in seinem Element: Beim Reet-Schneiden.

Der Lübecker Harald Benett ist einer der letzten Reetbauern Schleswig-Holsteins

shz.de von
14. Januar 2014, 11:00 Uhr

Wenn es so richtig kalt wird, ist Harald Benett in seinem Element. Dann beginnt für den Landwirt aus Lübeck am Ufer der Trave die Reeternte. Mit seinem selbst gebauten Erntefahrzeug rumpelt er im Lübecker Naturschutzgebiet Schellbruch über die Travewiesen und schneidet Schilf, das er an Hausbesitzer und Dachdeckerbetriebe in der Region verkauft.

Schon Vater und Großvater Benett haben Reet geerntet und verkauft. „Früher gab es allein in den inzwischen eingemeindeten Dörfern Israelsdorf und Gothmund acht Reetbauern, heute bin ich einer der letzten in ganz Schleswig-Holstein“, sagt der 48-Jährige, der in Israelsdorf einen 60-Hektar-Bauernhof bewirtschaftet.

Zwischen Ende Oktober und dem 15. Februar darf Benett auf seinen rund zehn Hektar Uferflächen das Reet ernten. „Es muss regelmäßig geschnitten werden, damit es gerade und kräftig nachwächst und im Frühjahr wieder Nahrung und Brutplätze für Vögel bietet“, sagt er.

Früher wurde das Reet von Hand geschnitten. „Das habe ich noch von meinem Vater gelernt, doch mit der Maschine geht es doch einfacher“, sagt Benett. Doch noch immer steckt in der Reeternte eine Menge Handarbeit. Zwar bündelt die Maschine die Halme, doch die Bündel müssen noch gereinigt werden. Dazu schlägt Benett sie aus, um sie von welken Halmen zu befreien, anschließend fasst er jeweils zwei mit einer blauen Schnur zu einem dicken Bund zusammen. „Die blaue Schnur ist mein Markenzeichen“, sagt er.

Die Erntemenge ist stark vom Wetter abhängig. „Bei Regen sind die Halme zu feucht und auch bei Hochwasser geht nichts“, sagt Benett. Auch der viele Schnee im vergangenen Winter habe die Halme abgeknickt und der Ernte geschadet. „Aber ich mache das auch nicht in erster Linie des Geldes wegen. Reetbauer kann man nicht werden, man ist es oder man ist es nicht. Und ich bin es mit ganzem Herzen“, sagt er.

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