Theater Lübeck in Finanznot

Schlägt Alarm: Christian Schwandt, Geschäftsführende Theaterdirektor in Lübeck.
Schlägt Alarm: Christian Schwandt, Geschäftsführende Theaterdirektor in Lübeck.

Das Theater Lübeck hat sich einen hervorragenden Ruf erspielt, aber es kostet viel Geld, das die Hansestadt nicht mehr hat

shz.de von
12. Mai 2015, 16:27 Uhr

Das Theater Lübeck und seine Mitarbeiter sind von der ständigen Unterfinanzierung der letzten Jahre an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Das hat der Geschäftsführende Theaterdirektor Christian Schwandt bekräftigt auf der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses der Lübecker Bürgerschaft. Thema der Sitzung: das Finanzierungskonzept.

Lübeck als das kulturelle Zentrum – so sehen Kommunalpolitiker die Hansestadt nur zu gern. Ganz im Sinne eines Standortes des florierenden Tourismus und in der Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung. Geht es jedoch um die Finanzierung des renommierten Theaterbetriebes, dann scheint Kultur in den Augen der Bürgerschaft Ballast zu sein. Das zeigte die jüngste Sitzung des Kulturausschusses einmal mehr.

Das vierzig Seiten umfassende Papier zur Finanzierung des Theater Lübeck stelle kein umfassendes Konzept dar, bemängelte Hermann Junghans (CDU). Eine differenzierte Auseinandersetzung bezüglich eventuellen Kooperationen mit anderen Häusern und einer Erweiterung der Finanzierung durch das Land Schleswig-Holstein, würde in der Vorlage des Theaterdirektors nicht stattfinden. Nicht nur Ausschussmitgliedern der CDU, auch die SPD-Fraktion forderte weitere Diskussionen und Informationen, bevor man sich im Stande sehe, einen Stellung zu nehmen.

Das von Christian Schwandt vorgelegte Konzept sieht Vorschläge zur weiteren Entwicklung des Hauses und dessen Erhalt vor. „Die vorhandenen Kooperationen mit internationalen Häusern und nicht zuletzt dem Theater der Landeshauptstadt Kiel, werden ebenfalls im Konzept aufgeführt“, so Schwandt.

Die Argumentation, die dem Theater ein unökonomisches Agieren unterstellte, verliefen nach Sicht der Theater-Befürworter ins Leere. Sowohl die Auslastung von 80 bis 90 Prozent, als auch die große Bereitschaft zu externen Spenden in Höhe von 511  000 Euro im letzten Jahr, würden die Geschäftsführung, in Relation zu anderen Häusern ähnlicher Größe, als besonders effizient wirtschaftende Leitung auszeichnen.

Theater-Chef Schwandt erläuterte, man sei durchaus zu weiteren Einschnitten bereit, diese würden jedoch die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst nicht kompensieren. Eine bereits eingeleitete Maßnahme bestehe in der Streichung eines Sinfoniekonzertes in der kommenden Spielzeit. Durch die hohen Mieten der Musik- und Kongresshalle würden aus dem Ertrag des Kartenverkaufs kein Gewinn für das Theater erwachsen.

Katjana Zunft (Linke) richtete einen Appell an die Mitglieder des Kulturausschusses: Man müsse ein „Statement pro Theater“ setzen. Als Stadt habe man außerdem Personalverantwortung innerhalb der städtischen Institutionen und müsse die engagierte Arbeit der Mitarbeiter des Betriebes entsprechend würdigen.

Die finanziellen Engpässe, so hob Theater-Chef Schwandt hervor, schlugen sich sukzessive auch in der Leistungsfähigkeit des Personals nieder. Durch Überarbeitung würden einige Künstler zu Selbstausbeutung neigen, andere wiederum stießen an die Grenzen ihrer Kräfte und es komme aufgrund von Überarbeitung zu vermehrten Krankschreibungen. Generell sei kein schlechtes Betriebsklima zu beobachten, der Widerstand des Betriebsrates allerdings wachse, und man wolle den Druck keinesfalls auf Kosten der Mitarbeiterschaft noch weiter erhöhen.

Ob die Hansestadt es sich leisten kann ein Theater dieses Formats auf dem derzeitigen künstlerischen Niveau zu erhalten, oder es sich leisten will, Abstriche beim kulturellen Leben der Stadt vorzunehmen, bleibt abzuwarten. Im vergangenen Jahr hat das Theater Lübeck rund 3,3 Millionen Euro an Eintrittsgeldern eingenommen. Die städtischen Zuschüsse betrugen 7,749 Millionen Euro, in diesem Jahr ist laut städtischem Haushalt ein Zuschuss von 8,363 Millionen Euro geplant. Dazu kommen knapp zehn Millionen Euro an Landeszuschüssen.

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