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Streit um Urlaub auf dem Hinterhof

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Immer mehr Ferienhäuser in Lübecks Altstadt-Gängen / Regeln für Vermietung an Touristen gefordert / Thema im Ausschuss

Es gibt 91 Wohngänge und Höfe mit 600 Wohnhäusern in Lübecks Altstadt. Hier ist in den vergangenen Jahren eine Zunahme von Ferienwohnungen zu beobachten: Bei einer ersten Erfassung der Ferienhäuser in den Gängen im Januar 2012 hat die Zahl der Ferienhäuser bis zu einer zweiten Erhebung im Oktober/November 2013 um stolze 25 Prozent zugenommen. Die Stadtplanung sieht Handlungsbedarf. Denn allein in 30 der historischen Gängen gibt es 50 Wohnhäuser als ungenehmigte Ferienhäuser. Denn obwohl Lübeck gerne mehr Touristen beherbergen würde, möchte die Stadt nicht, dass die Altstadt mehr und mehr zum Feriendorf wird. Und dass der Welterbe-Titel Schaden nehmen könnte.

Lübecks Gänge sind vor Jahrhunderten als „Sozialer Wohnungsbau für die kleinen Leute“ entstanden. Noch bis in die 1980er Jahre hinein verfielen viele von ihnen und wurden erst nach und nach saniert. Heute sind sie gesuchte Wohnadressen – kein Wunder, sind sie doch zentral und ruhig gelegen. Die Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) hat mehr als 30 Jahre an der Bewusstseinsbildung „pro Altstadt“, an ihrer Wiederentdeckung und Aufwertung mitgewirkt. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde die BIRL 2013 in der Diskussion um das Bauprojekt „Kailine“, die Bebauung der Nördlichen Wallhalbinsel. „Wir haben die großen Sanierungskampagnen begleitet und kritisch kommentiert“, sagt Manfred Finke von BIRL.

Die Diskussion um die Anzahl von Ferienhäusern im historischen Bereichen der Altstadt ist nicht neu – Manfred Finke formulierte bereits 2009 in den Bürgernachrichten, dem Mitteilungsblatt der BIRL: „Nun ist es nicht unbedingt schlimm, wenn in einem größeren Gang mal ein Ferienhaus ,dabei’ ist. Bedenklich wird es aber, wenn ein Drittel, fast die Hälfte eines Gangs zu Ferienhäusern mutiert, so wie im Bäckergang Engelsgrube oder in Lödings Hof Glockengießerstraße. Da muss die Stadt reagieren.“

Im Bauausschuss wurde kürzlich ein erster Bericht der Verwaltung vorgestellt, der sich mit der Ferienhaus-Problematik befasste. Danach sollen in Zukunft maximal 20 Prozent der Wohnhäuser als Ferienhäuser zugelassen werden.

Detlev Stolzenberg von der Piraten-Partei empfahl im Bauausschuss, den Sachverhalt differenzierter zu betrachten. Eine vorgeschlagene 20-Prozent-Pauschalzulassung erscheine nicht sachgerecht, da die Besonderheiten der einzelnen Gänge nicht beachtet wurden. „In einzelnen Gängen gibt es schon mehr als 20 Prozent. Und in über 50 Gängen gibt es noch gar keine Ferienhäuser“, so Stolzenberg. Nach Wunsch der Piraten sollen jetzt die Betroffenen in den Wohngängen befragt werden.

CDU und FDP sehen hingegen keinen Handlungsbedarf und wollen Ferienhäuser zulassen. Die SPD möchte billigen Mietraum sichern und eine pauschale Begrenzung. Die Linken sind gegen eine Nutzung der Ganghäuser als Feriendomizil.

Der Hauptausschuss wird sich am 10. Juni weiter mit dem Thema beschäftigen, am 26. Juni dann die Bürgerschaft.

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erstellt am 30.Mai.2014 | 10:58 Uhr

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