zur Navigation springen
Lübeck

20. Oktober 2017 | 13:01 Uhr

Stiftungen springen ein

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübeck kann deutlich mehr Sprachkurse für Asylbewerber anbieten dank einiger Großspenden

Im Jahr 2014 haben rund 270 Asylbewerberinnen und -bewerber bei der Gemeindediakonie Lübeck Deutsch gelernt. Im Jahr zuvor waren es nur 140 gewesen. Angesichts der weiter steigenden Zahl von Flüchtlingen, die in den Unterkünften der Gemeindediakonie betreut werden, wird es dort ab diesem Jahr noch mehr Sprachkurse geben. Möglich machen das Zuwendungen von Possehl-Stiftung, Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck und private Spenden.

Für den Förderzeitraum von April 2015 bis Ende 2017 hat die Possehl-Stiftung 315  000 Euro bewilligt, die Sparkassenstiftung gibt 100  000 Euro. „Dank dieser Unterstützung sind wir in der Lage, zehn zusätzliche Kurse – insgesamt 14 – an verschiedenen gut erreichbaren Standorten anzubieten“, ist Sonja Schmidt, stellvertretende Bereichsleiterin Obdach und Asyl, erfreut. „Dazu gehören zehn statt vorher drei Alphabetisierungskurse, die wir jeweils direkt in den Unterkünften anbieten. Außerdem wird es vier Fortgeschrittenenkurse an gut erreichbaren Standorten in Zentrumsnähe geben, vorher gab es nur einen. Eventuelle Fahrten der Kursteilnehmer mit dem Bus oder dem Fahrrad werden ebenfalls unterstützt.“

Als besonderes Zeichen des Willkommens ist für die Alphabetisierungskurse jeweils eine kulturelle Abschlussveranstaltung geplant, etwa eine Stadtführung. Zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer werden ebenfalls eingestellt.

Eine die schön länger dabei ist, ist Jasmin Safa. Die Halb-Iranerin ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für Englisch und Französisch und unterrichtet in der Asylbewerberunterkunft im Steinrader Weg durchgehend rund 50 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea oder dem Iran. „Meine Schüler sind im Durchschnitt um die 30 Jahre alt und oft gebildet, sogar Akademiker“, sagt sie. „Hier müssen sie ganz von vorne anfangen, beim Abc.“ Sie seien aber hochmotiviert und sehr interessiert an der deutschen Kultur. Die Hälfte der Kursteilnehmer müsse auch die lateinische Schrift ganz neu erlernen.

Die fortlaufenden Grund- und Fortgeschrittenenkurse – künftig im Umfang von jeweils 7,5 Wochenstunden – dauern rund drei Monate, nach einem halben Jahr können sich die Teilnehmenden in der Regel gut verständigen. Frühestens nach drei Monaten sind auch die Asylverfahren beendet. Erhalten sie ein Bleiberecht in Deutschland kann der Weg in ein selbstbestimmtes Leben, eine eigene Wohnung beginnen. Erst dann würde ihnen offiziell ein Sprach- und Integrationskurs zustehen. Die Gemeindediakonie schließt daher mit Unterstützung beider Stiftungen sowie zahlreicher Firmen- und Privatspenden eine gesetzliche Lücke – dies ist wesentlich für die frühzeitige Integration von Flüchtlingen.

„Wir sind den Stiftungen sowie allen Spenderinnen und Spendern sehr dankbar“, betont Pastorin Dörte Eitel, Geschäftsführerin der Gemeindediakonie. „Wir erwarten für dieses Jahr 1700 Flüchtlinge, gegenüber 650 im vergangenen. Das stellt uns vor riesige Herausforderungen, die wir ohne Freunde und Förderer, nicht zuletzt auch die gute Zusammenarbeit mit der Hansestadt, nicht bewältigen könnten.“

Kontakt: www.gemeindediakonie-luebeck.de



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen