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Lübeck

23. August 2017 | 04:58 Uhr

Stiefkind Wochenmarkt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Brolingplatz soll endlich umgestaltet werden, aber an den Wochenmarkt hat keiner gedacht

Der Brolingplatz in der Friedenstraße ist das Herzstück des Quartiers im Stadtviertel St. Lorenz Nord. In den ersten Jahren nach 1900 entstanden zwischen Schwartauer Allee, „An der Lohmühle“ und Fackenburger Allee ansehnliche Straßenzüge mit Mehrfamilienhäusern und Eckläden. Schnell siedelte sich kleines Gewerbe an, kaum ein anderes Karree der Stadt konnte sich über eine derart hohe Zahl an Gaststätten erfreuen. Mittendrin: der Brolingplatz, der seit den frühen Nachkriegsjahren mittwochs und sonnabends mit dem beliebtesten Wochenmarkt der Stadt aufwartete.

Diese Zeiten sind vorbei: Die Friedenstraße – einst hoch frequentierter Zubringer von der Altstadt zur Autobahn – ist verkehrsberuhigte Sackgasse, die Qualität des Wohnraums entspricht längst nicht mehr den Standards, und der Wochenmarkt hat seine Blütezeit hinter sich. Unter der Wochen bietet der asphaltierte Brolingplatz heute ein ganz und gar trostloses Bild.

Seit Jahren wird in der Hansestadt über eine Aufwertung des Areals nachgedacht. Mehrfach verschwanden Pläne zur Umgestaltung des Brolingplatzes in der Schublade. In drei Wochen, so der Wille der Lübecker Bürgerschaft, soll es nun endlich an die Umsetzung gehen. Doch es ziehen dunkle Wolken auf: Was wird aus dem Wochenmarkt? Ursprünglich gab es die Zusage, dass er auf dem Brolingplatz verbleiben kann. Das gilt offenbar nicht mehr.

„Der Wochenmarkt ist wichtig für die vielen älteren Anwohner“, sagt Lübecks CDU-Wirtschaftspolitiker Willi Meier. Für viele sei es die einzige Möglichkeit, frische Waren ohne weitere Wege zu kaufen. Zustimmung bekommt er von allen Parteien der Bürgerschaft. Nur die ursprüngliche Zusage, dass die Stände auch im Verlauf der Bauarbeiten aufgestellt werden können, hat die Stadtverwaltung zurück genommen. Dann müsste die Baustelle zwei Mal pro Woche zurück gebaut werden, heißt es zur Begründung. Das aber sei zu teuer.

Der Lösungsvorschlag der Bauverwaltung: Die Stände könnten auf dem Parkstreifen in der Friedenstraße stehen. Das stößt auf Bedenken bei den Marktbeschickern. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf einer Länge von 150 Metern morgens um 6 Uhr wirklich alle Autos verschwunden sind, sei gleich Null, sagt der langjährige Marktbeschicker Sven Bössow. Die Alternative komme ohnehin nicht in Betracht. Die Polizei habe Sicherheitsbedenken, wenn die Stände direkt an der Straße stehen.

Jetzt kommt eine neue Alternative in Gespräch: Die Stände der Marktbeschicker könnten auf dem Parkplatz des Hagebaumarktes (ex-MaxBahr) an der Lohmühle aufgebaut werden. Das Problem: Dort fehlt ein Wasseranschluss.

Der Wirtschaftsausschuss der Lübecker Bürgerschaft machte in seiner jüngsten Sitzung sein Unverständnis über die nicht vorliegende Lösung deutlich. Und er hat einen einstimmigen Beschluss gefasst: Die Stadtverwaltung hat den Wochenmarkt zu organisieren nud das Problem zu lösen. Er muss mittwochs und sonnabends in der Nähe des Brolingplatzes stattfinden. Nicht nur Sven Bössow möchte seinen Kunden endlich mitteilen können, wo die Stände in Zukunft zu finden sind ...

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