Beihilfe zum Mord an Ehemann : Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Jahre Haft für Witwe

Zwölf Jahre nach dem Mord an ihrem Mann muss sich eine 63-Jährige vor dem Lübecker Landgericht verantworten.

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22. Juni 2018, 13:32 Uhr

Lübeck | Wegen Beihilfe zum Mord am Ehemann hat die Staatsanwaltschaft vor dem Lübecker Landgericht für eine 63 Jahre alte Frau viereinhalb Jahre Haft gefordert. Die Witwe sei schuldig, zur Tötung ihres Ehemanns Beihilfe geleistet zu haben, hieß es am Freitag im Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger der Angeklagten, Frank-Eckhard Brand, forderte dagegen Freispruch. „Die Billigung der Haupttat und der Vorsatz, dabei helfen zu wollen, sind nicht gegeben gewesen“, sagte er. Das Gericht will am 29. Juni das Urteil sprechen.

Laut Anklage soll die Frau einem damals 20-Jährigen Zutritt zum Haus verschafft und ihm vor und nach der Tat Unterschlupf gewährt haben. Ihr damals 63 Jahre alter Ehemann war im Mai 2006 in seinem Haus in Neustadt im Kreis Ostholstein von dem jungen Mann niedergestochen worden. Der 63-Jährige starb einige Wochen später an den Verletzungen.

Sexuelles Verhältnis mit dem Täter

Der Täter wurde im November 2006 zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und drei Monaten verurteilt. In diesem Prozess hatte die Witwe ausgesagt, sie kenne den 20-Jährigen nicht. „Das war eine Lüge“, gestand sie im Mai beim Prozessauftakt in Lübeck. Sie habe ein kurzes sexuelles Verhältnis mit ihm gehabt.

Am Tattag, am 14. Mai 2006, habe sie den späteren Mörder ins Haus ihres Mannes gelassen. „Er brauchte Geld. Da gab ich ihm den Tipp, dass im Büro meines Mannes unter dem Aktenvernichter 400 Euro liegen“, sagte die Frau. „Ich habe ihm gesagt, er solle es wie einen Einbruch aussehen lassen. Ich konnte doch nicht ahnen, was er wirklich vorhat.“ Die Ermittlungen gegen die Witwe waren 2014 in Gang gekommen, nachdem sie angeblich von der Ehefrau des 20-Jährigen erpresst worden war.

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