zur Navigation springen

Flughafenmisere in Lübeck : Staatsanwalt prüft mögliche Insolvenzverschleppung

vom

Bürgermeister Saxe ist sich sicher: Er hat beim Flughafenverkauf keine Fehler gemacht. Allerdings habe er wohl Alarmzeichen der vergangenen Monate übersehen, sagt er. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Insolvenzverschleppung vorliegt.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 08:01 Uhr

Lübeck | Die Lübecker Staatsanwaltschaft prüft in Zusammenhang mit dem Flughafen, ob es einen Verdacht auf Insolvenzverschleppung gibt. Das sei reine Routine, es gebe bislang keinen Anfangsverdacht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Behörde schaue sich regelmäßig insolvente Firmen daraufhin an, ob und wann Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit erkennbar waren, sagte er. Nach der Insolvenzordnung müssen Geschäftsführer oder Gesellschafter einer GmbH spätestens drei Wochen nach der Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Der Flughafen hat nach Angaben der Hansestadt Lübeck seit Ende 2013 keine Pacht mehr an die Stadt überweisen. Das Gericht habe am Mittwoch die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, sagte eine Sprecherin des Lübecker Amtsgerichts. Beantragt habe die Insolvenz Siegmar Weegen (49), der am Dienstag zum Notgeschäftsführer berufen worden war.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) gerät unterdessen im Finanz-Dilemma um den Flughafen Blankensee in Bedrängnis. Vertreter von CDU und Grünen werfen ihm vor, schuld am Desaster zu sein, einige fordern seinen Rücktritt. Saxe habe bei der Übertragung des Flughafens an Investor Mohamad Rady Amar Fehler gemacht. Der mittlerweile untergetauchte Geschäftsmann hatte im November 2012 als einer von drei Bewerbern von der Bürgerschaft den Zuschlag bekommen und den Flughafen für einen symbolischen Preis von einem Euro übernommen. Saxe kann darin keinen Fehler erkennen: „Wir haben damals von verschiedenen Stellen Auskünfte über ihn eingeholt, wir haben uns bei ihm selbst und bei Dritten informiert über seine Bonität, sein Geschäftsvolumen, das vorhandene Vermögen. Alle diese Auskünfte waren positiv und auch seine Pläne, die er entworfen hat, waren gut.“ Es habe damals keinen Hinweis darauf gegeben, dass so etwas passieren könnte, wie es jetzt passiert ist. Er vermutet, dass im Firmenkonglomerat des Investors irgendetwas geschehen ist, das ihn wirtschaftlich aus der Bahn geworfen hat. „Aber ohne ein Wort zu verschwinden, das ist schon schäbig“, sagte Saxe.

Rady Amar hatte Investitionen in Millionenhöhe für den Airport in Aussicht gestellt und als erste Amtshandlung im Januar 2013 die Gehälter der Flughafenangestellten erhöht. In der vergangenen Woche war überraschend bekanntgeworden, dass Rady Amar seine Anteile an der 3-Y-Logistic und Projektbetreuung GmbH verkauft hat. Das ist die Muttergesellschaft der Yasmina Flughafenmanagement GmbH, die den Flughafen seit dem 1. Januar 2013 betreibt. Neuer Inhaber und gleichzeitig Geschäftsführer der Yasmina wurde der Berliner Geschäftsmann Adam Wagner. Beide sind nicht zu erreichen und offenbar untergetaucht.

Jetzt hofft Saxe auf eine Weiterführung des in Turbulenzen geratenen Flughafens der Hansestadt. Er vertraue darauf, dass das Unternehmen mit Hilfe des Insolvenzverwalters zu einem geordneten und wirtschaftlich gesicherten Betrieb zurückfindet. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Im Vergabeverfahren habe ich nichts falsch gemacht“, sagte der Bürgermeister. Allerdings habe er die ausbleibenden Pachtzahlungen nicht ernst genug genommen. „Wir haben zwar jedem Monat eine Mahnung geschickt, doch im Nachhinein hätte ich das als Alarmsignal werten müssen“, räumte Saxe ein. Die Stadt Lübeck wartet seit November auf Miet- und Pachtzahlungen in Höhe von insgesamt 189.000 Euro. „Hinterher ist man leider immer schlauer“, sagte er.

Auch wenn er den Flughafen gerne erhalten sähe, will sich der Verwaltungschef nicht in die Suche nach einem neuen Investor einschalten. „Das Insolvenzrecht sieht nicht vor, dass sich unbeteiligte Dritte in das Verfahren einschalten. Schließlich gehört der Flughafen nicht mehr der Stadt“, sagte er. „Wenn die Insolvenzverwaltung mich jedoch um Hilfe bittet, gehe ich gerne Klinken putzen“, sagte Saxe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen