Gerüchte über Stellenabbau : Schock am Flughafen Lübeck-Blankensee

Insolvenzverwalter Klaus Pannen (rechts) und Notgeschäftsführer Siegmar Weegen sollen den  Airport Lübeck  retten.
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Insolvenzverwalter Klaus Pannen (rechts) und Notgeschäftsführer Siegmar Weegen sollen den Airport Lübeck retten.

Stehen die 93 Jobs am Lübecker Flughafen auf der Kippe? Ein Brief des Insolvenzverwalters sorgt für Aufruhr. Der Verwalter sagt: „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“.

shz.de von
19. Juni 2014, 16:26 Uhr

Lübeck | Verlieren die 93 Mitarbeiter des Lübecker Flughafens ihre Arbeit? Grund für diese Befürchtung ist eine Mitteilung des Insolvenzverwalters Klaus Pannen an den Betriebsrat, er wolle den Betriebsrat zu bevorstehenden Entlassungen der 93 Mitarbeiter anhören. Das Schreiben hat für Unruhe gesorgt, bedeute aber nicht, dass im Augenblick Entlassungen anstehen, sagte Insolvenzverwalter Klaus Pannen am Donnerstag zu entsprechenden Berichten. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“.

„Wir verhandeln noch mit drei potenziellen Investoren, und wir sind nach wie vor zuversichtlich“, erklärte Pannen zur Zukunft des Regionalflughafens. Der Betriebsrat hatte nach Angaben des Landesarbeitsgerichtes in Kiel nach Erhalt des Briefes einen Eilantrag gestellt, um ein vorläufiges Verbot von betriebsbedingten Kündigungen zu erreichen. Für Freitagnachmittag ist am Arbeitsgericht Lübeck dazu eine Verhandlung angesetzt. Er wolle aber noch einmal mit dem Prozessbevollmächtigten des Betriebsrats sprechen, sagte Pannen. „Ich gehe davon aus, dass wir erreichen, dass der Termin gar nicht mehr stattfinden muss.“ Insolvenzverwalter Pannen unterstrich, dass der Betrieb des Flughafens in jeden Fall auch im Juli fortgeführt werden soll.

Zu dem Schreiben des Insolvenzverwalters erklärte eine Sprecherin des Landesarbeitsgerichtes, eine solche Anhörung des Betriebsrats sei gesetzlich vorgeschrieben, bevor Kündigungen ausgesprochen werden. Insolvenzverwalter Pannen beteuerte, er habe den Betriebsrat lediglich vorsorglich informiert, „dass so etwas möglich sein kann“.

„Es kann eben auch sein, dass für den Fall einer Übernahme durch einen Dritten die alte Yasmina hinsichtlich der bestehenden Arbeitsverhältnisse Kündigungen aussprechen wird. Dann würden die Mitarbeiter mit dem neuen Betreiber neue Arbeitsverträge machen.“ Der Betriebsrat war auf dpa-Anfrage nicht zu erreichen.

Am Montag war bekannt geworden, dass die Billig-Fluglinie Ryanair zum Winterflugplan 2014/2015 ihren Flugbetrieb am Airport Lübeck einstellt. Für den Flughafen war dies ein weiterer herber Schlag. Er hatte vor knapp zwei Monaten Insolvenz beantragt, nachdem der frühere Eigentümer Mohamad Rady Amar abgetaucht war und alle Anteile an der Muttergesellschaft der Yasmina Flughafenmanagement GmbH, die den Flughafen betreibt, verkauft hatte.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion zeigte sich irritiert über die aktuellen Meldungen zu den Kündigungen aller Mitarbeiter am Flughafen. „Für mich ist es ein Zeichen, dass jetzt die entscheidende, aber sehr schwierige Phase bei der Findung eines neuen Investors angebrochen ist“, erklärte Fraktionsvorsitzender Andreas Zander. „Jetzt gilt es Ruhe zu bewahren, damit nicht Gerüchte und Spekulationen die Verhandlungen und den Weiterbetrieb des Flughafens gefährden. Externe Einmischung halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für falsch.“

Vor allen aber sollten deutliche, widerspruchsfreie Signale von der Geschäftsführung und dem Insolvenzverwalter an die Mitarbeiter gesandt werden. Andreas Zander mahnt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es nicht nur um 93 Arbeitsplätze in Lübeck geht, sondern auch um die Existenz dutzender Familien. Die Menschen haben es verdient, dass man offen mit ihnen spricht und Perspektiven aufzeigt.“ Auch die Hansestadt dürfe sich der Verantwortung für den Flughafen und damit dessen Mitarbeiter nicht entziehen.

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