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Lübeck

21. Oktober 2017 | 18:50 Uhr

Schätze im Archiv entdeckt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jette Jaekel und Dr. Jan Lokers bergen die historischen Kostbarkeiten im Archiv, die neue Erkenntnisse über das Lübecker Heiligen-Geist-Hospital liefern.

Dass Lübeck voller Geschichte steckt, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Und doch wird immer wieder von fleißigen Forschern Neues entdeckt. Einen wahren Schatz hebt die Kieler Mittelalterhistorikerin Jette Jaekel. Im Archiv der Hansestadt gaben sie und weitere Fachleute Einblicke in ein umfangreiches Forschungsprojekt.

Mehrere Umstände kommen glücklich zusammen, betonte Archivdirektor Dr. Jan Lokers. Jette Jakel arbeite an ihrer Dissertation zum Thema „Ökonomie und Alltagsgeschichte im Heiligen-Geist-Hospital im 16. Jahrhundert.“ Hierzu leiste das Archiv natürlich Amtshilfe. Die Akten des Heiligen-Geist-Hospitals – immerhin rund 40 Regalmeter – waren bisher jedoch nicht geordnet, allenfalls vorsortiert. Das hat natürlich einen Grund. Die Akten hatten im vorigen Jahrhundert abenteuerliche Reisen zu überstehen.

Nach dem Bombenangriff vom März 1942 waren sie in ein Bergwerk an der Saale ausgelagert worden, berichtet Lokers. 1945, beim Abzug der Roten Armee, kamen sie nach Russland. Von dort wurden sie später in die DDR verbracht. Erst nach 1989 hatten Lübecker Bemühungen Erfolg, das Material zurückzuholen. Unter den Akten seien unglaubliche Schätze. Sie haben nicht nur für den Bereich der Stadt Bedeutung. Zwar war das Heiligen-Geist-Hospital für die Pflege alter und kranker Menschen zuständig. Es war jedoch auch ein florierender Wirtschaftsbetrieb.

Sein Kapital stammte aus Stiftungen, Nachlässen der Insassen und deren Eintrittszuwendungen. Es wurde in Renten und Grundbesitz angelegt. Die Ländereien reichten weit über die Grenzen der Stadt hinaus. So besaß das Heiligen-Geist-Hospital Anteile an der Lüneburger Saline, Ländereien auch vor den Toren der Hansestadt.
Neben Falkenhusen und dem Gut Mönkhof gehörten zahlreiche Dörfer und Höfe in Mecklenburg und Ostholstein dazu.


Das Hospital als florierender Wirtschaftsbetrieb


Das älteste Stück der Sammlung stammt aus dem Jahre 1263, das jüngste von 1969. Interessant sind zum Beispiel die Küchenrechnungen. Aus ihnen geht hervor, was angebaut wurde, wie man sich im Mittelalter ernährte. Mehr als die Hälfte des Materials sind jedoch Gerichtsakten. Da gab es wahre Kriminalfälle, versuchte Vergiftungen, einen Kindsmord, uneheliche Schwangerschaften, Streit um Grabstellen.

Jette Jaekel schätzt, dass sie noch bis Mitte 2016 an den Archivalien und nebenher an ihrer Doktorarbeit sitzen wird. Vieles ist ihr inzwischen vertraut, so dass das Zuordnen einzelner Blätter leichter fällt. Immer wieder aber tauchen neue „Tatbestände“ auf, die das genaue Lesen erforderlich machen. Bei den alten Handschriften ist das sehr zeitaufwändig.

Auch für die gegenwärtig laufende Sanierung des Heiligen-Geist-Hospitals seien die Erkenntnisse von Nutzen, sagt die Bauforscherin Dr. Margrit Christensen. Der erste Bauabschnitt, die Fassade zum Koberg, ist gerade abgeschlossen. Weitere Abschnitte folgen. Spannend sind für die Fachleute hier insbesondere die Baubücher aus früheren Jahrhunderten. So wisse man durch die Erkenntnisse im Archiv zum Beispiel, welche Methoden und Materialien bei der Sanierung der Türme in den Jahren 1835/36 verwendet wurden. Rund 40.000 Euro lässt die Stiftungsverwaltung der Hansestadt Lübeck sich die „Aufräumarbeiten“ im Archiv kosten, verriet Klaas-Peter Krabbenhöft. Ziel der Aktion sei es, so Archivdirektor Jan Lokers, die gewonnenen Erkenntnisse in eine Datenbank einzubringen, wo sie für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich werden.



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