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Lübeck

16. August 2017 | 19:53 Uhr

Rückkehr des roten Flitzers

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ehemaliges Lübecker Zieldarstellungsflugzeug vom Typ Hawker Seafury wird restauriert / Erstflug steht bevor

Mit bis zu 700 Kilometern pro Stunde zogen sie rund um Lübeck ihre Kreise, flogen als Zieldarsteller für die Bundeswehr: die knallroten Seafurys.

Fast 17 Jahre lang prägten die ehemaligen britischen Jagdflugzeuge das Bild des Lübecker Flughafens; insgesamt 16 dieser doppelsitzigen Maschinen waren zwischen 1958 und 1975 in Blankensee stationiert.

Herr über die Flüge für die Bundeswehr war ein ziviles Unternehmen: Der „Deutschen Luftfahrt Beratungsdienst“, später die Firma „Rhein Flugzeugbau“ setzte die ehemaligen Militärmaschinen im Auftrag der Bundeswehr ein. Denn die wollte auf reale Ziele schießen – zumindest in den Schießgebieten wie in Putlos an der Ostsee.

Aber nicht die Flugzeuge selbst dienten als Ziel, sondern ein Schleppsack, den die Maschine hinter sich her zog. Während der Pilot das Flugzeug steuerte, kümmerte sich ein zweites Besatzungsmitglied im hinteren Teil des Cockpits um eine Winde. Mittels dieser wurde an einem mehrere hundert Meter langen Stahlseil der Sack durch die Luft gezogen wurde. Auf diesen schossen dann Luftabwehreinheiten – damit die Seafury nicht selbst zum Ziel wurde, waren die Maschinen knallrot lackiert. Dennoch gab es immer wieder vereinzelte Treffer in den Flugzeugen.

Treffer im Luftsack wurden durch Mikrofone festgestellt, die im Schleppziel eingebaut waren. Eine Trefferanzeige im Cockpit zeigt die Anzahl an, diese funkte die Crew an eine Bodenstelle.

Nach dem Aus für die noch im Zweiten Weltkrieg entwickelten Flugzeuge gelangten die meisten der Lübecker Seafurys ab 1975 in Sammlerhände. Eine kehrte vor drei Jahren nach Deutschland zurück, wird zurzeit in Eschbach (Baden-Württemberg) restauriert.

Diese Maschine wurde zwischen 1950 in England gebaut, war anschließend bei der britischen Marine-Luftwaffe eingesetzt. Ende der 50er Jahre wurde sie aus dem Dienst gezogen, kam 1963 nach Deutschland – nach Lübeck, wo sie als mit dem Kennzeichen „D-CACE“ bis 1974 als Zielschlepper eingesetzt war.

Die Stationen ihres weiteren Lebens sind abenteuerlich: Bis 1985 flog die Seafury wieder England. Ein Sammler führte sie auf Flugshows vor, bis er sie in die USA bringen ließ. Ab 1987 wurde die Maschine zu einem Rennflugzeug umgebaut, flog unter anderem bei den berühmten Luftrennen in Reno. Einer ihrer letzten Besitzer belegte dort mit ihr 2005 sogar den achten Platz. Bei einer Außenlandung im Jahr 2008 wurde die Seafury jedoch stark beschädigt und eingelagert. Dort entdeckten sie Mitarbeiter der Meier Motors GmbH aus Eschbach. Zurzeit laufen letzte Restaurierungsarbeiten an der Maschine, der Erstflug ist für dieses Jahr geplant.


Sie haben noch Fotos oder Unterlagen aus der Lübecker Luftfahrtgeschichte? Dann melden Sie sich unter 0170/9837015 oder schreiben Sie eine E-Mail an blankensee@gmx.de.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 17:11 Uhr

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