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Urteil in Lübeck : Raubmord an Rentnerin - Lebenslange Haft

vom

Der Verurteilte erstickte die 85 Jahre alte Frau.

Lübeck | Für den Raubmord an einer Lübecker Rentnerin muss ein 48-Jähriger lebenslang in Haft. Zu dieser Strafe verurteilte das Lübecker Landgericht am Mittwoch den Angeklagten wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge. Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sicherungsverwahrung lehnte die Große Strafkammer ab. Dafür fehlten die Voraussetzungen, sagte der Vorsitzende Richter in der knapp einstündigen Urteilsbegründung.

Die Auffassung der Kammer in dem Indizienprozess sei eindeutig: Es sei der Angeklagte gewesen, der in der Nacht zum 24. August 2016 die Terrassentür im Haus der alten Dame mit einem Pflasterstein eingeschlagen habe, um Beute zu machen. Weil ihn die 85-Jährige überraschte, nahm er demnach ein Kissen und erstickte die Frau.

Die Staatsanwältin zeigte sich zufrieden mit dem Urteil, will die Frage der Sicherungsverwahrung aber noch überprüfen. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert und kündigte an, Revision einzulegen.  Das Gericht habe in der Gesamtschau keinen Zweifel, dass der Angeklagte die Tat beging, sagte der Vorsitzende Richter. Da der Mann im Prozess aber schwieg und sich ein Sachverständiger nur nach Aktenlage ein Bild über die Gefährlichkeit des einschlägig vorbestraften 48-Jährigen habe machen können, habe die Kammer auf eine Sicherungsverwahrung nach dem Grundsatz „In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) verzichtet. Ein Hang zu Gewalttaten sei nicht mit der erforderlichen Sicherheit festzustellen gewesen.

Die große Strafkammer folgte weitgehend dem Antrag der Staatsanwältin. Sie sah es als erwiesen an, dass der Mann die 85 Jahre alte Rentnerin erstickt hatte, weil sie ihn bei einem Einbruch in ihr Haus in Lübeck überraschte.

Unsere Chronologie zeigt den Gang der Geschehnisse im Lübecker Mordfall:

24. August 2016

Eine 85-jährige Rentnerin wird von ihrem Lebensgefährten tot in ihrem Bungalow im Lübecker Stadtteil Buntekuh gefunden. Schnell ist klar, dass es sich um ein Tötungsdelikt handeln muss. Die Leiche der Frau war entkleidet worden, ihr Körper wurde mit Zucker bestreut und mit einer unbekannten Flüssigkeit begossen. Die groß angelegten Ermittlungen hatten in dem Stadtteil für erhebliche Unruhe gesorgt. 

15. September 2016

Drei Wochen nach dem gewaltsamen Tod der Rentnerin nimmt die Polizei damals einen 46-jährigen Tatverdächtigen fest. Der Mann stehe im Verdacht, die Frau erstickt zu haben, um sie zu berauben, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft. DNA-Spuren am Tatort brachten die Polizei auf die Fährte des Tatverdächtigen.

In den Tagen vor dem Mord hatte der Mann zusammen mit einem Bekannten die Terrasse und die Auffahrt des Hauses mit einem Hochdruckreiniger gesäubert – für mehr als 2000 Euro.

3. Februar 2017

Gegen den inzwischen 47 Jahre alten Tatverdächtigen wird Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge vor. Er soll die Terrassentür zum Bungalow des Opfers mit einem Stein eingeschlagen haben, um ins Haus zu gelangen. Als ihm bei der Suche nach Wertgegenständen die vermutlich durch den Lärm aufgeschreckte Hausbesitzerin entgegenkam, soll er sie in das Schlafzimmer zurückgedrängt und erstickt haben.

28. März 2017

Beim Prozessauftakt verweigert der Angeklagte jegliche Aussage. Warum das Opfer entkleidet und mit Zucker bestreut wurde, wirft Fragen auf. „Dieses Vorgehen ist sehr rätselhaft. Möglicherweise haben auch sexuelle Motive eine Rolle gespielt“, sagte der Anwalt der Nebenklage, Oliver Dedow.

Die Aussage der Staatsanwältin, die bei der Vorführung des Angeklagten zugegen war, belastet den 47-Jährigen zusätzlich. Demnach habe dieser in einem Telefonat mit seiner Mutter gesagt „Das war's für mich, der R. hat eine Aussage gemacht.“ Tatsächlich seien es unter anderem die Aussagen des Zeugen R. gewesen, die den dringenden Tatverdacht gegen den Angeklagten geführt hätten. Dieser gab vor Gericht jedoch an, er könne sich an seine Aussage nicht mehr erinnern. Ein Schlaganfall habe sein Gedächtnis beeinträchtigt.

31. März 2017

Der Lebensgefährte des Opfers sagt vor Gericht als Zeuge aus. Er berichtet, dass am Abend vor dem Mord einer der beiden Handwerker, die in den Tagen davor die Terrasse der 85-Jährigen gesäubert hatten, unter einem Vorwand bei der Frau geklingelt hatte. Es wird davon ausgegangen, dass das Opfer vom Tatverdächtigen ausgespäht wurde.

17. Mai 2017

Ein Gutachter bestätigt, dass es sich bei der Substanz auf dem Leichnam des Opfers um Rohrzucker handelt. Über den Hintergrund konnte auch er keine Angaben machen.

Weitere Zeugen belasten den Angeklagten. Demnach habe er versucht, einem Bekannten Schmuck zu verkaufen – Schmuck wurde auch aus dem Haus des Opfers entwendet. Andere Bekannte des 47-Jährigen berichten, dass der Angeklagte nervös wurde und überstürzt aufgebrochen sei, als das Gespräch auf den kurz zuvor bekanntgewordenen Mord kam.

Mit dpa

 

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erstellt am 28.Jun.2017 | 11:51 Uhr

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