Debatte im Internet : Rassismus-Vorwürfe gegen Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker

Löste mit seinen Aussagen eine Diskussion aus: Der Unternehmer Wlnfried Stöcker. Archivbild
Löste mit seinen Aussagen eine Diskussion aus: Der Unternehmer Wilfried Stöcker. Archivbild

Ausländer hätten „kein Recht, sich in Deutschland festzusetzen“: Mit solchen Aussagen polarisiert Unternehmer und Uni-Professor Winfried Stöcker.

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22. Dezember 2014, 09:50 Uhr

Mehrere hundert Menschen haben in Görlitz gegen Rassismus und Rechtsextremismus demonstriert. Anlass waren fremdenfeindliche Äußerungen des Lübecker Unternehmers Winfried Stöcker (67), der das Medizin-Unternehmen Euroimmun mit internationalen Zweigstellen betreibt und Eigentümer des leerstehenden Görlitzer Jugendstilkaufhauses ist. Nicht nur auf der Straße, auch auf Twitter regt sich Widerstand:

Stöcker hatte in einem Interview der „Sächsischen Zeitung“ unter anderem von „reisefreudigen Afrikanern“ gesprochen, die „ungebeten über das Mittelmeer zu uns gelangen“ und hier das Asylrecht missbrauchten. Er beschäftige zwar auch selbst Ausländer, darunter viele Türken, würde diese jedoch „am liebsten zurück in ihre Heimat schicken“. Ausländer hätten „kein Recht, sich in Deutschland festzusetzen“. An der Protestkundgebung am Samstagabend nahmen laut Polizeiangaben rund 250 bis 300 Menschen teil.

Auch in Lübeck steht der Unternehmer in der Kritik. Sozialsenator Sven Schindler (SPD) nannte die Äußerungen „menschenverachtend und beschämend“. Kritik äußerten auch Vertreter von CDU und den Grünen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität zu Lübeck forderte, Stöcker von allen Lehrverpflichtungen freizustellen und ihm seine 2011 verliehene Honorarprofessur zu entziehen. 

Auch Twitter-User fordern die Universität Lübeck zu Reaktionen auf.

Die evangelische Kirche kritisierte den Unternehmer wegen seiner fremdenfeindlichen Äußerungen scharf. Er sei über die Aussagen entsetzt, sagte der Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche. Auch der katholische Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) und Vertreter von Parteien kritisierten Stöcker.

Der Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland hat Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Winfried Stöcker gestellt.

In den sozialen Netzwerken gibt es allerdings auch Zuspruch für Stöcker. Auf Facebook gibt es eine Seite namens „Solidarität mit Winfried Stöcker“. Die Seite ging am 19. Dezember online und hat vier Tage später knapp über 4000 Fans (Stand 22. Dezember, 10.08 Uhr).

Auf der Facebook-Seite unterstützen zahlreiche Menschen die Aussagen des Unternehmers.

Allerdings gibt es auch dort User, die Stöckers Aussagen kritisieren - entweder eindeutig oder mit feiner Ironie.

Am Montag meldet sich Stöcker zu Wort: „Leider habe ich unter dem Zeitdruck des Tagesgeschäftes meine Erklärungen nicht ausreichend durchdacht und meine Ansichten nur verkürzt und in unangemessener Weise zum Ausdruck gebracht – das haben mir erst die empörten Reaktionen vor Augen geführt", zitieren die Lübecker Nachrichten eine Erklärung des Unternehmers. Weiter heißt es demnach: „Ich bitte die Öffentlichkeit wegen meiner nicht angebrachten Formulierungen um Entschuldigung: Sie sind zu drastisch geraten, haben viele Leute vor den Kopf gestoßen, waren aber vor allem nicht ausgewogen, und das Vokabular nicht mehr zeitgemäß.“

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