Lübeck : Prozess um tödlichen Familienstreit: Lange Haftstrafe gefordert

Ein Mann soll mit einer Schere auf seine Mutter eingestochen und getötet haben.

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13. März 2018, 13:48 Uhr

Lübeck | Im Lübecker Prozess um einen tödlichen Familienstreit hat die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten zwölf Jahre Haft wegen Totschlags und versuchten Totschlags gefordert. Der 30-Jährige habe nach einem Streit seine Mutter mit unglaublicher Brutalität getötet und seine Großmutter schwer verletzt, sagte Staatsanwalt Niels-Broder Greve am Dienstag.

Der Mann soll im Juli 2017 in seinem Elternhaus mit einer Geflügelschere rund 50 mal auf seine Mutter eingestochen haben. Seine Großmutter, die ihrer Tochter helfen wollte, wurde rund 20 mal getroffen. Ihr war es noch gelungen, ihren Enkel mit einer Bratpfanne niederzuschlagen. Das Urteil soll am 23. März verkündet werden.

„Es ist unstrittig, dass der Angeklagte die Taten begangen hat. Es geht nur darum, ob er zur Tatzeit schuldfähig war oder nicht“, sagte Greve in seinem Plädoyer. Zuvor hatte eine toxikologische Sachverständige ausgesagt, ein Zusammenspiel von Drogen und Medikamenten könnte möglicherweise dazu geführt haben, dass der Angeklagte den Cannabis-Rausch anders erlebt habe als gewohnt.

Der drogenabhängige 30-Jährige hatte ausgesagt, er habe kurz vor der Tat ein Medikament gegen Fieber genommen und einen Joint geraucht. Danach habe er sich ungewohnt schlecht gefühlt. Kurz darauf kam es dann zu dem tödlichen Streit.

Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass der Angeklagte in einem affektiven Erregungszustand gehandelt habe, sagte Greve. Eine durch den Drogenmissbrauch hervorgerufene Psychose zur Tatzeit hatte der psychiatrische Gutachter an einem der vorherigen Verhandlungstage bereits ausgeschlossen.

Die beiden Nebenklagevertreter stellten keine konkreten Anträge. Stattdessen gingen sie in ihren Schlussvorträgen auf die Folgen der Tat ein. Die 79 Jahre alte Großmutter des Angeklagten, die den Angriff mit knapper Not überlebte, ist seither auf einem Auge blind. „Sie konnte es in dem Haus nicht mehr aushalten und musste ausziehen“, sagte Nebenklagevertreter Frank-Eckhard Brand. 

Verteidiger Hans-Jürgen Wolter wertete die Tat wegen des fehlenden Tötungsvorsatzes seines Mandanten als Körperverletzung mit Todesfolge und gefährliche Körperverletzung. Auch er stellte keinen Antrag zur Höhe der Strafe. In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte unter Tränen: „Ich kann die Zeit leider nicht zurückdrehen.“

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