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Obdachlosenunterkunft in Bad Oldesloe : Prozess um tödliche Messerattacke: Lange Haftstrafe für Mitbewohner gefordert

vom

Der 22-Jährige hatte im Februar einen Mann mit einem Messer angegriffen. Das Opfer verblutete.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 13:50 Uhr

Lübeck | Im Prozess um den tödlichen Angriff in einer Obdachlosenunterkunft in Bad Oldesloe hat die Staatsanwaltschaft siebeneinhalb Jahre Haft gefordert. Der Angeklagte habe den Tod seines Mitbewohners billigend in Kauf genommen, als er sich mit einem Messer in der Hand auf ihn stürzte, sagte die Staatsanwältin am Freitag in ihrem Plädoyer.

Der 22 Jahre alte Mann hatte im Februar dieses Jahres nach einem Streit einen gleichaltrigen Mitbewohner mit zwei Messerstichen getötet. Er muss sich deshalb wegen Totschlags seit Ende September vor dem Lübecker Landgericht verantworten. „Ich bedaure zutiefst, was ich getan habe“, sagte der aus Afghanistan stammende Angeklagte mit Hilfe eines Dolmetschers in seinem Schlusswort. „Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, ihn zu töten. Er hatte während der Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung mit den Tränen gekämpft.

Der Angeklagte und das aus dem Irak stammende Opfer teilten sich zur Tatzeit ein Zimmer in der Unterkunft. Weil es zwischen den Männern ständig Streit gab, schlief das Opfer seit geraumer Zeit bei Bekannten und kam nur sporadisch in die Unterkunft, um seine Post abzuholen. Er habe sich von dem Angeklagten bedroht gefühlt und habe Angst gehabt, dass der ihm etwas antun könnte, sagte der Nebenklagevertreter, der die Angehörigen des Opfers vertritt. 

Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass es auch am Tatabend wieder zu einer Prügelei zwischen den beiden Männern gekommen sei, sagte die Staatsanwältin am Freitag. Nachdem ein Zeuge die Streitenden zunächst getrennt habe, sei der Iraker noch einmal zurück gekommen und habe dem Angeklagten etwas zugerufen, sagte die Staatsanwältin. Das brachte den Angeklagten so in Rage, dass er ein auf dem Tisch liegendes Messer ergriff, hinter dem Iraker her rannte und sich vor dem Haus auf ihn stürzte. Dabei fügte er ihm zwei Messerstiche, einer davon traf nach die Halsschlagader, so dass das Opfer verblutete.

Der Nebenklageanwalt beantragte ebenfalls siebeneinhalb Jahre Haft, der Verteidiger forderte eine Haftstrafe von höchstens sechs Jahre. Anders als Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreter wollte er eine verminderte Steuerungsfähigkeit seines Mandanten zur Tatzeit nicht ausschließen. Das Urteil soll am 14. November verkündet werden.  

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