Raubmord in Lübeck : Prozess um Mord an Rentnerin: Angeklagter spähte Opfer aus

<p>Ein Beamter der Spurensicherung vor dem Wohnhaus.</p>

Ein Beamter der Spurensicherung vor dem Wohnhaus.

Der Partner des Opfers sagte aus, dass der Angeklagte noch am Abend vor der Tat unter einem Vorwand an ihrem Haus war.

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31. März 2017, 16:11 Uhr

Lübeck | Am zweiten Tag des Prozesses um einen Raubmord an einer Lübecker Rentnerin hat das Gericht den damaligen Lebensgefährten des Opfers befragt. Der 89-Jährige sagte am Freitag vor Gericht, er habe seine Partnerin vor angeblichen Handwerkern gewarnt. Am Vorabend der Tat habe einer der beiden Männer unter einem Vorwand bei dem späteren Opfer geklingelt. Das habe ihm die 85-Jährige am Telefon berichtet: „Im Nachhinein glaube ich, er wollte überprüfen, ob ich bei ihr bin“, erklärte der 89-Jährige.

Zuvor hatte er geschildert, wie er am Abend des 24. August 2016 die Tote gefunden hatte.  Dem heute 48 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, die Rentnerin in den Morgenstunden desselben Tages erstickt zu haben, nachdem sie ihn beim Einbruch in ihr Haus überrascht hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sein Opfer ausspionierte, als er einige Wochen vor der Tat zusammen mit einem Kompagnon auf dem Grundstück der Frau die Auffahrt und die Terrasse gereinigt hatte.

Der 48-Jährige, der wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge angeklagt ist, schweigt bisher zu den Vorwürfen.

Der Lebensgefährte des Opfers sagte, er habe sich Sorgen gemacht, weil er die 85-Jährige telefonisch nicht erreichen konnte. Im Haus habe er sich zunächst gewundert, dass die Schlafzimmertür abgeschlossen war. Hinter der Tür fand er schließlich die Frau, mit der er seit 15 Jahren zusammen war. „Sie lag auf dem Bett, Gesicht und Körper waren mit einer Bettdecke bedeckt und mit einer weißen Substanz beschmiert“, erklärte der Mann.

Diese Substanz sorgte auch bei Polizeibeamten und Rettungskräften für Verwirrung. „Bevor wir da hineingegangen sind, habe ich erst mal einen Feuerwehrmann reingeschickt. Bei kristallinen Stoffen bin ich immer sehr vorsichtig, das könnte ja auch ein Explosivstoff sein“, sagte ein Kriminalbeamter, der als einer der ersten am Tatort war.

Auch die Notärztin wunderte sich über die ungewöhnliche Auffindesituation. „Das Bettzeug war teilweise verrutscht, auf der Matratze befanden sich feuchte Flecken, und der Leichnam war mit einer weißen zuckerartigen Substanz bedeckt“, sagte sie.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird Ende Mai erwartet.

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