Lübeck : Prozess um Mord an Rentnerin: 48-Jähriger verweigert die Aussage

<p>Ein Beamter der Spurensicherung vor dem Wohnhaus der getöteten Rentnerin.</p>
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Ein Beamter der Spurensicherung vor dem Wohnhaus der getöteten Rentnerin.

Der Angeklagte soll versucht haben, bei der 85-Jährigen einzubrechen. Als er erwischt wurde, soll er sie erstickt haben.

shz.de von
28. März 2017, 07:34 Uhr

Lübeck | Unter großem Interesse der Öffentlichkeit hat am Dienstag der Prozess um den Raubmord an einer 85 Jahre alten Frau in Lübeck begonnen. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, die Rentnerin in der Nacht zum 24. August 2016 erstickt zu haben, weil sie ihn beim Einbruch in ihren Bungalow überrascht hatte. Doch der Angeklagte - ein massiger Mann mit fast kahlem Schädel - schweigt. Er wolle weder zur Sache noch zu seiner Person aussagen, lässt er über seine Anwältin erklären.

In der Nacht zum 24. August habe der heute 48-Jährige die Terrassentür zum Bungalow der Rentnerin eingeschlagen, um im Haus nach Wertsachen zu suchen, heißt es in der Anklage. Als ihm die vermutlich durch den Lärm aufgeschreckte Hausbesitzerin entgegenkam, drängte er sie in das Schlafzimmer zurück und erstickte sie.

Anschließend habe er die Tote entkleidet, ihren Körper mit Zucker bestreut und eine unbekannte Flüssigkeit darüber gegossen, heißt es in der Anklage weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48-Jährigen Mord und Raub mit Todesfolge vor. „Dieses Vorgehen ist sehr rätselhaft. Möglicherweise haben auch sexuelle Motive eine Rolle gespielt“, sagte der Anwalt der Nebenklage, Oliver Dedow. Er vertritt die beiden Brüder der Getöteten, die allein in dem Bungalow im Lübecker Stadtteil Buntekuh lebte. Ihr Lebenspartner, der nicht im selben Haus wohnte, hatte die Tote am Abend des 24. August gefunden.

Einige Wochen vor der Tat hatte der Angeklagte zusammen mit einem Bekannten die Terrasse und die Auffahrt zum Haus mit einem Hochdruckreiniger gesäubert - für mehr als 2000 Euro. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er dabei sein späteres Opfer ausgespäht hat. 

Zu Beginn wurde die Staatsanwältin vernommen, die bei der Vorführung des Angeklagten dabei war. Nach Verkündung des Haftbefehls durfte der Angeklagte in Gegenwart mehrerer Zeugen mit seiner Mutter telefonieren. Dabei sagte er laut Zeugin: „Das war's für mich, der R. hat eine Aussage gemacht.“ Das habe sie als auch unfreiwilliges Geständnis gewertet, sagte sie aus. Denn tatsächlich seien es unter anderem die Aussagen des Zeugen R. gewesen, die den dringenden Tatverdacht gegen den Angeklagten geführt hätten. Vor Gericht konnte sich jener Zeuge jedoch an seine Aussagen bei der Polizei nicht erinnern. „Ich hatte im Juli 2016 einen Schlaganfall, in meiner Erinnerung fehlen vier Monate“, sagte der Zeuge, der nach eigenen Angaben seit 40 Jahren mit der Familie des Angeklagten befreundet ist. Der Prozess wird am 31. März fortgesetzt. Ein Urteil wird Ende Mai erwartet.

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