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Fluchtversuch aus der JVA : Prozess um Geiselnahme in Lübecker Gefängnis beginnt

vom

Vier Gefangene nehmen an Weihnachten 2014 in der JVA Lübeck einen Wärter als Geisel. Nun stehen sie bald vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 07:33 Uhr

Lübeck | Das Lübecker Landgericht hat entschieden: Ab dem 4. November müssen sich vier Gefangenen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck vor Gericht verantworten. Sie sollen am 24. Dezember 2014 einen Justizvollzugsbeamten als Geisel genommen haben, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Die Anklage wirft ihnen gemeinschaftliche Geiselnahme, gemeinschaftliche schwere Körperverletzung, Nötigung und versuchte Gefangenenmeuterei vor.

Der Zwischenfall kostete die damalige JVA-Leiterin den Job. Weil sie erst einen Tag später Polizei und Staatsanwaltschaft verständigte, musste sie ihren Posten räumen und wurde ins Justizministerium abgeordnet. Auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW), die die Anstaltsleiterin zunächst in Schutz genommen hatte, war deshalb vorübergehend in politische Bedrängnis geraten.

Laut Anklage soll einer der Angeklagten am Nachmittag des 24. Dezember einen epileptischen Anfall vorgetäuscht haben, um einen Beamten in die Zelle zu locken. Dort soll ein Mitgefangener das Opfer zu Boden gestoßen und mit einem Brotmesser bedroht haben. Die Gefangenen drängten ihre Geisel ins Erdgeschoss. Dort nötigten sie zwei andere Vollzugsbeamte, ihnen zwei Türen zu öffnen. Kurz danach kam es zu einem Handgemenge, bei dem es der Geisel gelang, sich zu befreien. Die Geiselnehmer wurden überwältigt und in ihre Zellen zurückgebracht. Die aus Russland, Litauen und Georgien stammenden Gefangenen hatten mit Erlaubnis der Anstaltsleitung den Weihnachtsabend zu viert in einer Zelle verbringen dürfen. Eine Chronologie der Ereignisse finden Sie hier.

Für den Prozess vor der III. Großen Strafkammer sind bislang 17 Verhandlungstage geplant. Es sind 30 Zeugen und fünf Sachverständige geladen. Ein Urteil wird Ende März nächsten Jahres erwartet.

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