Vergiftungsfall in Dahme : Prozess nach Gift im Essen: Ex-Mann hätte sterben können

Der Prozess am Lübecker Landgericht geht in die nächste Runde.
Der Prozess am Lübecker Landgericht geht in die nächste Runde.

Als Denkzettel gab sie ihrem Ex-Mann Samen des „Selbstmordbaumes“ ins Essen. Den Tötungswillen dementiert die Angeklagte.

shz.de von
15. Februar 2018, 17:26 Uhr

Im Prozess um einen versuchten Giftmord am Lübecker Landgericht hat eine Sachverständige am Donnerstag bestätigt: Die Samen des Zerberusbaumes in seinem Essen hätten einen 57 Jahre alten Mann aus Dahme im Kreis Ostholstein durchaus töten können.

Seiner Ehefrau, von der er inzwischen geschieden ist, wird vorgeworfen, ihrem Mann im August 2015 Teile einer Samenkapsel des Zerberusbaumes in sein Chili con Carne gemischt zu haben, um ihn zu töten. Die Tötungsabsicht hat die Angeklagte jedoch bestritten.

<p>Die Früchte des Zerberusbaumes.</p>
imago/imagebroker

Die Früchte des Zerberusbaumes.

Im Gerichtssaal übergab ihr Verteidiger im Namen seiner Mandantin einen Scheck über 15.000 Euro Schmerzensgeld an den als Nebenkläger auftretenden Ex-Mann. Seine Mandantin hatte an einem früheren Prozesstag gestanden, ihren Mann einige Krümel der Giftpflanze ins Essen gemischt zu haben, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. Der 57-Jährige überlebte den Anschlag, litt jedoch mehrere Tage lang an heftigen Vergiftungssymptomen.

„Die in den Samen des Zerberusbaumes enthaltenen Wirkstoffe Neriifolin und Cerberin sind starke Herzgifte und könnten zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum  Herzstillstand führen“, sagte die Sachverständige in ihrem toxikologischen Gutachten. Beide Stoffe seien bei einer Analyse in einem darauf spezialisierte Labor in Frankreich im Blut und im Urin des 57-Jährigen nachgewiesen worden, sagte sie.

Angesichts der Nachweismengen geht die Toxikologin davon aus, dass mehr als ein  paar Krümel der Kapseln ins Essen gemischt worden seien. „Genau lässt sich das aber nicht sagen, denn gerade auf Pflanzengifte reagiert jeder Mensch unterschiedlich“, sagte die Gutachterin. Cerbera odollam - so der botanische Name der Pflanze - stammt aus Südostasien und wird dort auch Selbstmordbaum genannt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte ihren Mann töten wollte, weil sie sich in einen anderen Mann verliebt hatte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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