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„Plötzlich 30“ – Jubiläumsmotto für das Weltkulturerbe Lübeck

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Im Juni 1987 wurde nahezu komplette Altstadtinsel in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen

Das Welterbe feiert runden Geburtstag. „Plötzlich 30“ lautet in Lübeck das Jahresmotto. Im Juni 1987 wurde nahezu die komplette Altstadtinsel in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen und befand sich damit auf Augenhöhe mit Abu Simbel, dem Taj Mahal, den Ruinen von Persepolis. Zum Jubiläum hat sich die Lübeck Travemünde Marketing GmbH (LTM) zahlreiche Partner ins Boot geholt. „Crossmedial“ nennt LTM-Geschäftsführer Christian Martin Lukas die Kampagne, die noch im Wachsen begriffen ist.

Eine Torte muss sein zum Geburtstag. Und weil die Niederegger GmbH & Co. KG einer der Kampagnenpartner ist, wölbt sich unter 30 rosafarbenen Kerzen eine Marzipandecke. Das Lübecker Traditionsunternehmen ist im Jubiläumsboot ebenso wie die Kulturstiftung, das Stadtarchiv, Kirchengemeinden, Theater, Musikhochschule und, und, und. Das Schleswig-Holstein Musik Festival beteiligt sich am Welterbe-Geburtstag mit „30 plus 3“ Konzerten und feiert den 30. Geburtstag seiner Orchesterakademie gleich mit. Wer 2017 seinen 30. Geburtstag feiert, darf das ganze Jahr über kostenlos die Lübecker Museen besuchen. Jeweils 30 Dreißigjährige können sich vom 25. März an kostenlos durch die Ausstellung „Oben ohne. Wie die Lübecker Bürger ihre sieben Türme retteten“ in St. Marien führen lassen; St. Jakobi bittet zur Pilgertour durchs Welterbe mit 30 Orgelvespern und ebenso vielen Führungen durch die „Alten Pastorenhäuser“, die nach 30 Jahren Restaurierungsarbeiten demnächst fertig werden. Selbst die Unesco kommt zum Fest: Am 5. und 6. Oktober sind die europäischen Welterbekommissionen zur Tagung ins Europäische Hansemuseum geladen.

Vor allem aber sollen über Fachpublikum und historisch Vorgebildete hinaus im Jubiläumsjahr so viele Menschen wie möglich erreicht werden. Gesichter der Kampagne sind zwölf Lübeckerinnen und Lübecker, die 1987 geboren wurden und nun als Botschafter die Welterbe-Idee in die jungen Generationen tragen. Denn die, sagt die Welterbekoordinatorin der Stadt Christine Koretzky, müssen gewonnen werden, um den Welterbeauftrag zu erfüllen.
Das Besondere des Welterbestatus, die Besonderheiten der Stadt überhaupt drohen oftmals in der Gewohnheit unterzugehen, sagt Lukas und nennt Lübeck eine „Insel der Glückseligkeit“, auf der viele Bürger das Schöne nicht mehr sehen. Genau das soll anders werden. „Wir wollen eine Kampagne, die alle angeht.“

Weil auch Emil Possehl, dem Begründer der bedeutendsten Stiftung Lübecks, das schöne Bild am Herzen lag, hat die Possehl-Stiftung einem LTM-Antrag auf Zuschuss zur Jubiläumskampagne zugestimmt. Max Schön, Vorsitzender des Stiftungsvorstands, deutet auf eine Postkarte, die die Aktion begleitet. Ein Blick ins Gewölbe der Marienkirche ist zu sehen. Solche Schätze gebe es überall zu entdecken, sagt er und weiß, dass der Blick für diese Schätze geschärft werden will.

Tatsächlich ist ja auch der Weg zum Lübecker Welterbestatus schon in den Nebel der Geschichte gehüllt. Bürgermeister Robert Knüppel hatte sich seinerzeit aufgemacht, seine Stadt auf die Welterbe-Liste zu hieven. Dass sie dorthin gehöre, war für den CDU-Politiker, den späteren Generalsekretär der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Vorsitzenden der Possehl-Stiftung, keine Frage. Angesichts der exklusiven, damals gerade erst 288 Welterbestätten zählenden Liste, traf seine Idee zu Hause auf Skepsis. Ob dies zu stemmen sei? Es war zu stemmen. Nicht nur das Holstentor oder die Marienkirche mit ihrem weltweit höchsten Backsteingewölbe (38,5 Meter im Mittelschiff), nahezu die gesamte von Trave, Wakenitz und künstlichen Wasserstraßen umschlossene Altstadtinsel fand sich als eines der bedeutendsten Zeugnisse backsteingotischer Baukunst auf der berühmten Liste wieder – eine komplette Altstadt, zum ersten Mal in Nordeuropa – und das im gleichen Jahr, in dem auch Große Mauer, Akropolis, Domplatz in Pisa, Westminster aufgenommen wurden.

30 Jahre später gibt es zwar immer noch kein Welterbe-Zentrum in der Stadt, aber der Titel ist zur Gewohnheit geworden. Gleichgültig soll er nicht werden. Auch deshalb wird gefeiert. Wo überall und wie, ist noch nicht fix, denn die Zahl der Partner wächst beständig, sagt LTM-Chef Lukas. Über den Stand der Programmpunkte informiert das Internet-Portal www.plötzlich30.de.

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