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Lübeck

18. Dezember 2017 | 23:44 Uhr

Pfusch am Bau – mit Billigung?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Stadtverwaltung soll einige der Mängel an der Lübecker Musik- und Kongresshalle lange gekannt haben

Die Musik- und Kongresshalle ist geschlossen – die Decke könnte herunterfallen (wir berichteten). Dass die Haken der Befestigung der Saaldecke in der Musik- und Kongresshalle zu schwach waren, ahnte bei der Stadt, der die Halle gehört, wohl niemand. Dass die gesamte Konstruktion als unzulässig einzustufen war, wusste die Verwaltung offenbar aber schon in der Bauphase. Das Rechtsamt schließt nämlich nicht aus, dass die Stadt selbst den Pfusch beauftragt hat.

Große Prestige-Projekte – wie auch der Bau der MuK – sind gewöhnlich in der Öffentlichkeit umstritten, weil sie zumeist erheblich teurer werden als geplant. Und so wurde auch in der Bauphase der MuK auf den Zeit- und Kostenrahmen geachtet. Am 9. März 1992 beriet der „Sonderausschuss MuK“ auch über eine Liste von möglichen Einsparungen, um die Kostenvorgaben einzuhalten. Ob das auch die Deckenkonstruktion des Konzertsaales betraf, kann auf Grund der nicht mehr auffindbaren Unterlagen nicht mehr geklärt werden. Klar ist inzwischen aber: Die Saaldecke war nicht nur auf Grund der zu schwachen Befestigungen ein Sicherheitsrisiko.

Die ganze Aufhängekonstruktion hätte nach dem damals bereits geltenden Recht einem Feuer 30 Minuten lang standhalten müssen. Verwendet wurde aber Material, das nach wenigen Minuten seine Funktion verloren hätte. Das wusste die Stadt offenbar. Sie besorgte sich eine Ausnahmegenehmigung. Die wurde erteilt, „weil heiße Brandgase an den Seiten der Akustikdecke vorbei zum Dach ziehen und dort ins Freie gelangen“ könnten.

Gehalten hat sich die Stadt an die Auflage nicht. Sie beauftragte eine vollständig geschlossene Zwischendecke. Erst jetzt soll nachgebessert werden.

Bei der Sanierung des Konzertsaales werden vier große Ventilatoren eingebaut, die verhindern, dass heiße Brandgase die Saaldecke erreichen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Lübecker MuK hätte eine Rundsprechanlage erhalten müssen. Damit wären im Brandfall alle Personen per Lautsprecher aufgerufen worden, das Gebäude zu verlassen. Die rechtliche Vorschrift wurde nicht beachtet. Der Brandschutzgutachter berichtet von einem Megaphon, das als Ersatz für die Anlage geplant gewesen sein soll. Auch nach Fertigstellung der Musik- und Kongresshalle nahm man es mit den Vorschriften offenbar nicht so genau. Vor drei Jahren wurde eine Solaranlage auf dem Dach montiert. Dafür gab es keine baurechtliche Genehmigung, berichtet jetzt der Brandschutzgutachter. Außerdem fehlt der Anlage ein zwingend notwendiger Not-Aus-Schalter.




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