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Pflegeheim wird zur Flüchtlingsunterkunft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jochen-Klepper-Haus in der Fliederstraße beheimatet bis 2015 Asylbewerber

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 13:15 Uhr

Die Entscheidung ist gefallen: Die ehemalige Seniorenpflegeeinrichtung Jochen-Klepper-Haus, eine Einrichtung der Vorwerker Diakonie, wird für knapp anderthalb Jahre Flüchtlingsunterkunft. Nachdem der Standort zu Beginn des Jahres 2013 schon einmal als mögliche Unterkunft in der Diskussion war, damals jedoch aus Brandschutzgründen verworfen wurde, wird es nun Ende Januar 2014 konkret. „Die Zahl der unterzubringenden Asylbewerber hat sich noch stärker entwickelt als wir vermutet hatten. Unsere Optionen sind alle erschöpft“, sagte Sozialsenator Sven Schindler (SPD). „Deshalb wird jetzt doch ein Gebäudetrakt des Jochen-Klepper-Hauses zeitlich befristet reaktiviert.“

Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan und dem Irak sollen bis 2015 ihre Heimat im Jochen-Klepper-Haus in der Fliederstraße (Stadtteil St. Lorenz Süd) finden. In den vergangenen Wochen sind das Gebäude und die Zimmer entsprechend vorbereitet worden. „Nachdem die Hansestadt Ende 2013 mit der Frage auf uns zugekommen war, ob sie unsere ehemalige Seniorenpflegeeinrichtung Jochen-Klepper-Haus doch anmieten kann, um dort Flüchtlinge unterzubringen, haben wir dem gerne zugestimmt“, sagt Fred Mente, Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie. „Denn unserer Überzeugung nach ist der Schutz und die Unterstützung von Flüchtlingen eine gesellschaftliche Verpflichtung – eine Verpflichtung, die wir als Diakonie besonders ernst nehmen.“

Das Jochen-Klepper-Haus ist seit Juni 2013 ungenutzt. „Wir planen an dem Standort den Neubau eines Pflegezentrums“, so Mente. „Nach dem jetzigen Stand der Planung und des Bauantragsverfahren, könnten wir voraussichtlich in einem Jahr mit dem Bau beginnen. Auf Bitte der Hansestadt haben wir den Baustart auf Sommer 2015 verschoben.“ Senator Schindler dankte der Vorwerker Diakonie für deren Entgegenkommen: „Das hilft uns sehr bei der Unterbringung der Asylsuchenden. Nach derzeitigem Stand wird die Hansestadt im laufenden Jahr rund 430 Flüchtlinge und Asylbewerber unterbringen müssen.“ Eine Unterbringung in Container bleibe ihnen jetzt erspart.

Angesichts der aktuellen Diskussion über Zuwanderung ruft Senator Schindler alle Lübecker zu einer gelebten Willkommenskultur auf. „Lübeck hat schon einmal 100 000 Menschen auf der Flucht in kürzester Zeit aufgenommen. Deren Integration war einer der größten Leistungen der Nachkriegszeit. Unsere Stadt kann viel mehr, als sie sich gelegentlich zutraut.“ Das unterstrich auch Vorsitzende des Sozialausschusses, Andreas Sankewitz (SPD), und der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Ingo Schaffenberg: „Es ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten, aus politischer oder religiöser Verfolgung ihre Heimat zumeist unfreiwillig verlassen müssen, eine neue Heimat zu geben.“

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