Patient Lübeck benötigt mehr Hilfe

Lübecks Sorgenkinder:  Die Altstadtkirchen prägen die Silhouette der Hansestadt, aber sie gelten als schwere Sanierungsfälle. Von links: St. Petri, St. Marien (ein Kirchturm verdeckt), St. Jakobi, dann der  Lübecker Dom und die St. Aegidienkriche.
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Lübecks Sorgenkinder: Die Altstadtkirchen prägen die Silhouette der Hansestadt, aber sie gelten als schwere Sanierungsfälle. Von links: St. Petri, St. Marien (ein Kirchturm verdeckt), St. Jakobi, dann der Lübecker Dom und die St. Aegidienkriche.

Immer mehr historische Gebäude der Hansestadt müssen dringend saniert werden / Neuester Fall: der Dom

shz.de von
06. November 2013, 00:31 Uhr

Paukenschlag für die Hansestadt: Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg geht davon aus, dass zukünftig immer eine der Kirchen auf der Altstadtinsel eingerüstet sein wird – zu groß ist der Sanierungsbedarf an den historischen Gebäuden.

St.-Petri-Pastor Bernd Schwarze bringt es auf den Punkt: „Wer Lübeck besucht, erfreut sich an den alten Gebäuden. Es kann schaden, wenn diese Gebäude nicht zu sehen sind.“ Das Heiligen-Geist-Hospital und das Zeughaus am Dom sind bereits eingerüstet, ab 2014 kommen die St.-Petri-Kirche und das Rathaus hinzu – auch hier sind Sanierungsarbeiten dringend notwendig.

Die Innenstadtkirchen bilden eine Solidargemeinschaft – zurzeit konzentriert sich alles auf St. Petri, auch wenn der Lübecker Dom eine Sanierung dringend nötig hätte. Sechs Millionen Euro müssten hier investiert werden, um nach neuesten Schätzungen des Kirchenkreises die Substanz wieder auf einen guten Weg zu bringen. Und die Liste der Sorgenkinder wächst weiter: Auch die Aegidien-Kirche kränkelt, noch steht das genaue Ausmaß der Schäden aber nicht fest. Bis 2021 müsse die kleinste der Innenstadtkirchen aber noch auf die Sanierung warten, hieß vom Kirchenkreis. Nicht nur bei den Kirchen bröckelt er Putz. Auch die jüdische Gemeinde in der St. Aegidienstraße und die Stadt benötigen dringend Geld für die Sanierung ihrer historischen Gebäude. Schuld daran, dass jetzt geballt auftretenden Schäden entgegen getreten werden muss, sind Sanierungsstau und -sünden der Vergangenheit. Viele der verwendeten Materialien – besonders aus den 1950er Jahren – würden sich heute als tickende Zeitbomben darstellen. In Kombination mit Umwelteinflüssen der Neuzeit hielten diese nicht das in sie gesetzte Vertrauen, erläutert Rainer Schellenberger, Abteilungsleiter beim Gebäudemanagement der Stadt.

Die Sanierung des Doms könnte frühestens 2017 starten, denn zunächst konzentrieren sich alle Anstrengungen auf den Erhalt der Petri-Kirche. 3,1 Millionen Euro gilt es hier insgesamt aufzubringen. Wie bereits bei der aufwändigen Restaurierung der Marien-Kirche hoffen alle Beteiligten wieder auf die Spendenbereitschaft der Lübecker. Den Anfang machen jetzt die drei Hochschulen der Hansestadt. Universität, Fach- und Musikhochschule werben mit einem großen Banner am Gerüst an der Petri-Kirche für weitere Unterstützung. Pro Monat zahlen die drei Bildungsstätten 300 Euro Miete für das Banner. Geld, das der Sanierung der Kirche zugutekommt. Und andere sollen es ihnen gleich tun.




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