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Lübeck

22. August 2017 | 09:54 Uhr

Passagierzahlen im Sinkflug

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

126 500 Fluggäste nutzten im vergangenen Jahr den Lübecker Airport – 33 Prozent weniger als im Vorjahr / Am Freitag letzter Linienflug

Die Zeiten der Höhenflüge sind vorbei: Noch vor zehn Jahren blickte der Lübecker Flughafen positiv in die Zukunft, denn 2005 nutzten rund 715000 Passagiere den Airport. Und zehn Jahre später? Aus den jetzt veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts geht hervor, dass im vergangenen Jahr 126  581 Passagiere abgefertigt wurden – 62  200 stiegen ein, 64  381 stiegen aus. 2014 – als noch die Billig-Airline Ryanair Blankensee nutzte – waren es 168  593 Fluggäste. Somit ergibt sich für den Lübecker Flughafen ein erneuter Rückgang der Passagierzahlen um rund 33 Prozent zum Vorjahr – von einem Vergleich zu Daten von vor zehn Jahren, als die der Höchststand an Passagieren erreicht wurde – ganz zu schweigen.

Dabei gab es mal große Pläne für den Flughafen, der 1917 als „Kaiserliche Flugschule“ für das Militär eröffnet wurde und somit im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern könnte. Der neuseeländische Konzern Infratil, ab 2005 Mehrheitsgesellschafter des vormals städtischen Flughafens, wollte den Flughafen ursprünglich ausbauen, Ryanair eine Basis mit Flügen zu europäischen Zielorten einrichten. Der Ausbau scheiterte jedoch am Planfeststellungsverfahren und daran, dass Infratil 2009 ausstieg. Inzwischen gibt es zwar einen Planfeststellungsbeschluss, doch Anwohner und Naturschutzverbände haben dagegen geklagt. Das Verfahren liegt seit Jahren beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Nach einem Bürgerentscheid im April 2010 übernahm die Stadt vorübergehend wieder den Betrieb. Ende 2012 verkaufte sie den defizitären Airport zu einem symbolischen Preis an Rady Amar. Als der nach nur anderthalb Jahren spurlos verschwand, musste der Flughafen zum ersten Mal Insolvenz anmelden. Am 1. August 2014 übernahm der chinesische Geschäftsmann Chen Yonquiang den Flughafen. Seine Pläne: Er wollte chinesische Gesundheitstouristen und Flugschüler nach Lübeck holen. Auch daraus wurde nichts. Im September 2015 drehte er aus unbekannten Gründen dem Airport den Geldhahn zu, der Flughafen musste erneut Insolvenz anmelden. Und ist seitdem auf Investorensuche. Dass sich die Passagierzahlen kurzzeitig noch ändern, steht nicht in Aussicht. Denn am kommenden Freitag hebt um 20.05 Uhr die letzte Maschine der ungarischen Fluglinie Wizz-Air in Blankensee ab. Dadurch steht der insolvente Flughafen an ohne Linienflüge da – und ohne Einnahmen.

Insolvenzverwalter Klaus Pannen sei nach intensiven Gesprächen mit Interessenten jedoch optimistisch, Anfang bis Mitte Mai einen Vertrag mit einem Investor abschließen zu können. Er verhandelt seit Wochen mit zwei potenziellen Investoren. Mit einem dritten ernsthaften Interessenten wollte er am vergangenen Freitag erste Gespräche führen.

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erstellt am 11.Apr.2016 | 15:03 Uhr

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