Drohender Umschlagsverlust : Papierterminal Lübeck: Unternehmen verlagern Aktivitäten nach Kiel

Der Lübecker Hafen muss einen Umschlagsverlust hinnehmen.
Der Lübecker Hafen muss einen Umschlagsverlust hinnehmen.

Erst im Frühjahr hatte ein finnischer Papierkonzern seinen Rückzug aus dem Lübecker Hafen angekündigt. Jetzt folgen zwei schwedische Unternehmen.

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24. Juni 2015, 17:58 Uhr

Lübeck | Der Lübecker Hafen verliert weitere wichtige Kunden im Papiergeschäft. Wie die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch mitteilte, wollen die schwedischen Unternehmen SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget) und Iggesund Paperboard AB ihre Aktivitäten von Lübeck nach Kiel verlagern. Die Unternehmen begründeten das mit der günstigen Lage Kiels am Ausgang des Nordostseekanals und den langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten. Außerdem hätten nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch die für den Kunden günstigeren Preise eine Rolle gespielt, sagte Gerhard Mette von Verdi.

Durch den Weggang verliert der Papierterminal der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) in Schlutup einen beträchtlichen Teil seines Umschlags. Erst Anfang dieses Jahres hatte der finnische Konzern UPM seinen Papierumschlag in Höhe von 420.000 Tonnen pro Jahr von Lübeck nach Rostock verlegt. Die Gewerkschaft macht dafür unter anderem das Land Schleswig-Holstein verantwortlich, das mit seiner besonderen Förderung des Kieler Hafens für eine Wettbewerbsverzerrung sorge.

Die Kritik von Verdi wies das Wirtschaftsministerium am Mittwoch zurück und erinnerte unter anderem daran, dass in den vergangenen Jahren beide Häfen beim Ausbau ihrer Infrastruktur „massiv gefördert“ worden seien. Tatsache sei aber, dass Lübeck seit dem Einstieg eines privaten Investors keine Förderanträge mehr gestellt habe. „Wir können Unterstützung nur anbieten. Wenn die nicht abgefragt wird, sind unsere Möglichkeiten erschöpft“, sagte Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele. Tatsache sei auch, dass durch die Streiks im Lübecker Hafen bei einigen Kunden das Vertrauen gelitten habe. Deshalb sei es zu kurz gesprungen, die Schuld bei der Landesregierung zu suchen, sagte Nägele.

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