Nichts wird dem Zufall überlassen

Die Baugrundstücke im Kaufmannsviertel zwischen Braunstraße, Alfstraße und Fischstraße könnten so gestaltet werden.
Die Baugrundstücke im Kaufmannsviertel zwischen Braunstraße, Alfstraße und Fischstraße könnten so gestaltet werden.

Die Hansestadt Lübeck ordnet das Gründungsviertel neu und will Fehler der Nachkriegszeit vermeiden durch strenge Auflagen

shz.de von
04. Mai 2015, 18:27 Uhr

Das Gründungsviertel in der Altstadt wird neu gestaltet. Nach dem Bombenangriff auf Lübeck war das älteste Kaufmannsviertel in Schutt und Asche gelegt. Nach dem Krieg wurde rasch mit der Neubebauung begonnen, allerdings dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend und der Notwendigkeit, rasch Wohnraum zu schaffen. Berufsschulen und andere Gebäude wurden inzwischen abgerissen. Nach mehrjährigen archäologischen Ausgrabungen wird das Areal zwischen Braunstraße, Alfstraße und Fischstraße wieder dem mittelalterlichen Grundriss angenähert und neu gestaltet.

„Erlaubt ist was gefällt“, diese Maxime gilt in diesem für das Unesco-Weltkulturebe so sensiblen Bereich natürlich nicht. Es gibt strenge Vorschriften in Fragen der Architektur. Die Bauherren benötigen nicht nur einen guten Entwurf und Geld, sondern auch den richtigen Familienstand, zum Beispiel mit Kindern oder Pflegebedürftigen. Die Stadt hat sehr genaue Vorstellungen von der Zusammensetzung der künftigen Bewohner zwischen St. Marien und Untertrave.

Der Verkauf der 39 bebaubaren Grundstücke soll in Kürze beginnen. Die Politik muss nur noch den Planungen zustimmen. Die Vermarktung wird die städtische Grundstücksgesellschaft Trave übernehmen. Die hat klare Vorgabe veröffentlicht: „Ziel ist es, vorrangig für Familien mit Kindern, Mehrgenerationenwohnprojekte und Baugemeinschaften neuen Wohnraum zu schaffen.“ Rund 30 Prozent der Erdgeschosse müssen für gewerbliche Nutzung vorgesehen sein.

Acht Grundstücke sind für Familien eingeplant. „Auswahlkriterien für die Vergabe der Grundstücke sind Alter und Anzahl der Kinder. Bei gleicher Bewertung erhalten Familien mit einem schwerbehinderten Familienmitglied den Vorrang“, so die Vorgabe der Stadtplanung. Bei Gleichstand entscheidet das Los.

Zwölf Grundstücke stehen für Baugemeinschaften zur Verfügung. Die Kriterien für die Vergabe: Die Auswahl der Baugemeinschaften erfolgt nach Konzeptqualität. Vorrang haben Familien mit Kindern, Mehrgenerationenwohnen, Arbeiten und Wohnen im gleichen Haus und/oder einem pflegebedürftigen/schwerbehinderten Familienmitglied im Haushalt beziehungsweise im gleichen Haus.

Auf 14 Grundstücke passen Mehrfamilienhäuser. Die Stadt sieht 40 Prozent Mietwohnungen und 30 Prozent gewerbliche Nutzung der Erdgeschosse vor. Anders als bei den anderen Grundstücken zählt hier aber hauptsächlich der Preis.

Schwierig wird es für die Käufer der Grundstücke Fischstraße 24, 26 und 28. Sie müssen nämlich die historischen Kellergewölbe erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das muss mit einem Konzept nachgewiesen werden.

Ein Auswahlgremium der Stadt trifft dann die Entscheidung über die Verkaufsempfehlung. Es setzt sich zusammen aus den Vorsitzenden des Bauausschusses, des Wirtschaftsausschusses und des Sozialausschusses. Die Stadtverwaltung wird durch die Senatoren der Fachbereiche Wirtschaft und Bau vertreten.

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