Neuer Charme im alten Gemäuer

In der langen Halle des Lübecker Burgklosters arbeiten noch die Restauratoren.
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In der langen Halle des Lübecker Burgklosters arbeiten noch die Restauratoren.

Die Restaurierung des Lübecker Burgklosters schreitet parallel zum Neubau des Europäischen Hansemuseum voran

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01. Dezember 2014, 16:59 Uhr

Seit Monaten wird nicht allein am Fuße des Burgklosters am Neubau eines Hansemuseum gearbeitet. Auch oben im geschlossenen Burgkloster ist man seit gleicher Zeit intensiv tätig. Die historische Bausubstanz soll nämlich in den Gesamtkomplex des Museums einbezogen werden. Die restauratorischen Arbeiten am mittelalterlichen Teil des Klosters sind weitgehend abgeschlossen.

Das Konzept in den verschiedenen Bereichen – Kapitelsaal, Kreuzgang, Sakristei, Winterrefektorium, Lange Halle, Hospital – sei im Grunde das gleiche, erläuterten Dr. Irmgard Hunecke, Leiterin im Bereich Denkmalpflege/Archäologie, und Elke Kunert, die für die restauratorische Planung und die Fachbauleitung zuständig ist. Es galt, die historische
Substanz im Weltkulturerbe zu sichern und zu schützen. Anders gesagt: Vorhandenes wurde sichtbar gemacht, ohne große Ergänzungen oder gar neue Fassungen. Dies seien auch die Bedingungen, unter denen der Bund die Finanzierung zusagte. 1,2 Millionen Euro zahlt Berlin für den Zeitraum 2010 bis 2014. Elke Kunert ist stolz: Der Finanzrahmen wird eingehalten. Mit Zustimmung aus Berlin werden Rest- und Nacharbeiten bis ins Frühjahr 2015 ausgedehnt.

Die alten Räume, die sich „in neuem Glanz und neuer Würde“ präsentieren werden, bleiben wie sie sind, bekommen also keine Museums-Exponate. Renate Menken, Geschäftsführerin der Hansemuseums-GmbH und mit der Possehl-Stiftung Geldgeberin der neuen Gebäude, ergänzt: „Während im neuen Museum und auch im Obergeschoss des Klosters die Geschichte der Hanse studiert werden kann, sollen im mittelalterlichen Teil, im Erdgeschoss, die Räume für sich selber sprechen und den Besuchern die Möglichkeit der Besinnung und Ruhe bieten.“

Bei den Arbeiten im mittelalterlichen Teil waren nicht nur Restauratoren wie Jarek Kulicki gefragt und gefordert; teilweise arbeiteten sie im Dutzend in einem Raum. Auch Techniker mussten geholt werden. Eine der Bedingungen war es, für ein möglichst schwankungsarmes Klima zu sorgen. Kleine Schwankungen lassen sich nicht vermeiden. Größere aber können zur Bildung von Salzen und Feuchte im Gemäuer oder in den Ziegelfußböden führen. Das gilt es zu verhindern. Die neuen alten Räume, die bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen, entfalten auch mit Arbeitsgerät bereits ihren Charme.

Im Kapitelsaal sind neue Stuckkonsolen angebracht und bereits von Prüfern abgenommen worden. Wobei der Stuck keiner ist, sondern aus Hochbrandgips besteht. Freigelegt sind hier die Malereien der Gewölbe sowie einige „Fenster“, die sich quasi von selber öffneten. In einem warmen Weiß strahlt der Kreuzgang. Genaue Untersuchungen zeigten auch hier
unterschiedliche Schichten an Wänden und Gewölben. Eine ausgesprochene Seltenheit stellt das Fußbodenmosaik der Sakristei dar. In Norddeutschland gibt es wenig Vergleichbares aus dem 14. Jahrhundert. Das überaus
lebendige Muster wurde aus Ziegelplättchen aufgebaut, die in Mörtel gelegt waren. Aufgrund starker Salze waren die Schäden groß. Hier ist noch Arbeit nötig, bevor die Flächen geschlossen sind. Betreten darf man den uralten Boden auch später nicht; ein Weg führt an den Seiten vorbei. Zusammen mit den farbig gestalteten Gewölben und Wänden ergibt sich ein geschlossener Gesamteindruck der Sakristei.

Im Winterrefektorium kann der Besucher mehrere Restaurierungsphasen studieren. Im 19. Jahrhundert, dann um 1920 sowie in den 1980er Jahren wurde gearbeitet. In den Jahrhunderten davor spricht man von Neugestaltung, nicht von Restaurierung. Auch im ehemaligen Hospital wartet noch Arbeit. Das Fußbodenmosaik ist hier durch ausgetretene Salze regelrecht zerbröselt.

Die alten, neuen Klosterräume sollen im kommenden Jahr zusammen mit dem Hansemuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Renate Menken rechnet mit einem Einweihungstermin in der zweiten Mai- oder ersten Junihälfte. Mit dem Europäischen Hansemuseum werde die Stadt eine Belebung des ganzen Viertels zwischen Burgtor und dem Hafen erfahren, ein neues kulturelles Highlight erhalten. Diese aufwändige „Stadtreparatur“ lässt sich die Possehl-Stiftung neun Millionen Euro kosten. Wie Renate Menken betont, kommt dieser Betrag aus Sonderausschüttungen und nicht aus den regulären Mitteln, auf die viele Institutionen in Lübeck hoffen und angewiesen sind.

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