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Familie Mann im Exil : Neue Ausstellung „Fremde Heimat“ im Buddenbrookhaus Lübeck

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1933 musste die Familie Mann Deutschland verlassen. In Lübeck wird am Sonntag eine Ausstellung über ihr Leben im Exil eröffnet.

Lübeck | Wie viele Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle mussten auch die Schriftsteller Heinrich (1871-1950) und Thomas (1875-1955) Mann 1933 das nationalsozialistische Deutschland mit ihren Familien verlassen. Was das für die Familienmitglieder bedeutete und inwieweit ihr Schicksal mit der aktuellen Flüchtlingsbewegung zu vergleichen ist, zeigt die Ausstellung „Fremde Heimat. Flucht und Exil der Familie Mann“ im Lübecker Buddenbrookhaus.

Der Blick in die Vergangenheit könne beim Verständnis der gegenwärtigen Problematik helfen, sagte die Leiterin der Hauses, Birte Lipinski, am Freitag. Als ein Reporter Thomas Mann 1938 bei seiner Ankunft in den USA fragte, ob er das Exil als Last empfinde, antwortete er selbstbewusst: „Wo ich bin, ist Deutschland! Ich trage meine Kultur in mir und betrachte mich nicht als gefallenen Menschen.“ Heinrich dagegen hat in den USA nie richtig Fuß gefasst. Er blieb immer auf die finanzielle Unterstützung durch Thomas angewiesen.

Der Aufstieg der Nationalsozialisten im Jahr 1933 zwang die Manns zur Flucht, zunächst ins europäische Ausland, später nach Amerika. In vier Stationen verfolgt die Ausstellung die ganz unterschiedlichen Wege und Erfahrungen der Familienmitglieder sowie deren politisches Engagement. Gezeigt werden Briefe, Tagebuchnotizen und Fotos, die dokumentieren, dass sich nicht alle Manns gleich gut in der neuen Heimat zurechtfanden. Auf Literaturinseln werden zudem im Exil entstandene Werke von Thomas, Heinrich und Klaus Mann vorgestellt.

Die Ausstellung, die Parallelen zur Lage der Flüchtlinge von heute aufzeigt, sei auch ein spannendes Experimentierfeld im Hinblick auf die geplante Neugestaltung der Dauerausstellung, sagte Kuratorin Anna-Lena Markus. Zwölf Jugendliche aus dem Schulprojekt „Literatur als Ereignis“ haben Ausstellungsstationen mit besonders starkem Gegenwartsbezug gestaltet. Beim „Kofferpacken“ können Ausstellungsbesucher aus einer Vielzahl symbolischer Gegenstände fünf auswählen, die sie mitnehmen wollen und bekommen dazu einen elektronischen Kommentar. „Das Thema der fremden Heimat und der Heimat in der Fremde ist hochaktuell und die Fragen sind heute eigentlich dieselben wie 1933“, sagte Lipinski. „Wie kann man die Entwurzelung, das Herzasthma des Exils, wie es Thomas Mann nennt, heilen“, sagte sie.

Die Ausstellung, die bis zum 8. Januar nächsten Jahres zu sehen ist, wird am Sonnabend (11. Juni, 18 Uhr) von Schleswig-Holsteins Flüchtlingsbeauftragten Stefan Schmidt eröffnet. Mehr Informationen gibt es unter buddenbrookhaus.de.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 13:57 Uhr

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