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Lübeck

20. Oktober 2017 | 22:08 Uhr

Nachbarn sind verstimmt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Erneut macht sich Widerstand gegen Bau einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge breit in Lübeck

In der Hansestadt zeichnet sich auch am neuen ausgewählten Standort  heftiger Widerstand von Anwohnern gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ab. Bei einer Informationsveranstaltung des Landes-Innenministeriums im Audimax der Universität zu Lübeck machten Anlieger unter anderem Sicherheitsbedenken geltend. Außerdem beklagten sie, dass Stadt und Land den Standort über ihre Köpfe hinweg ausgewählt hätten. Viele Betroffene forderten erneut, mehrere kleinere Aufnahmeeinrichtungen einzurichten. Das sei aber schon wegen der großen Zahl an Asylbewerbern nicht praktikabel, hielt Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) entgegen, die im Audimax die Position des Landes erläuterte.

Die Informationsveranstaltung zur geplanten Erstaufnahme für Flüchtlinge im Audimax der Uni war gut gefüllt. Es wurde leidenschaftlich diskutiert. 500 Einladungen hatten an die Anwohner im Bereich der Kronsforder Landstraße verteilt werden sollen. Bei vielen war der Handzettel aber offenbar nicht angekommen. Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler versprach, den Verbleib der Einladungen klären zu wollen.

Das Land hat ein 17  000 Quadratmeter großes Grundstück im Süden Lübecks gekauft, um dort an der Kronsforder Landstraße – angrenzend an das Baugebiet Rothebek – bis Anfang 2017 eine Erstaufnahme für mindestens 600 Flüchtlinge zu bauen. Der ursprüngliche Plan, für eine Flüchtlingsunterkunft auf einem städtischen Grundstück im Neubaugebiet Bornkamp zu errichten, war im Sommer am Widerstand von Anwohnern und der Ablehnung der Lübecker Bürgerschaft gescheitert.  In Schleswig-Holstein gibt es derzeit zwölf Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) mit insgesamt 10 000 Plätzen.

Ein Entwurf für die Lübecker Erstaufnahmeeinrichtung an der Kronsforder Landstraße wurde nicht vorgestellt. Man wolle jetzt nicht über zwei Meter Abstand hier und da diskutieren, so die Vertreter der Landesregierung. Es werde wohl elf zwei- und dreistöckige Gebäude in lockerer Bauform auf einer Grundstücksgröße von 17  000 Quadratmetern geben. Die Zufahrt erfolge über die Kronsforder Landstraße. Fertigstellung der EAE ist für Anfang 2017 geplant.

Anlieger befürchten einen Wertverlust ihrer Grundstücke, was Staatssekretärin Söller-Winkler mit einem Hinweis auf die Erfahrungen in den anderen Städten zurückwies. „Auch einen sozialen Brennpunkt wird es nicht geben“, versicherte sie. Sie räumte ein, dass eine höhere Belegungszahl als 600 möglich sei. Man könne die Entwicklung nicht abschätzen. Auch späteren Ankauf der Nachbargrundstücke könne nicht ausgeschlossen werden. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe sagte, die Stadt werde dem Land die Befreiung vom Bebauungsplan erteilen. Auf der vom Land gekauften Fläche war nämlich eine Einfamilienhaussiedlung geplant.

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