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Staatsanwaltschaft : Nach Geiselnahme in JVA Lübeck: Anklage gegen Gefangene

vom
Aus der Onlineredaktion

Vier Häftlinge sollen Weihnachten 2014 einen Vollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht haben.

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2015 | 15:34 Uhr

Lübeck | Die Staatsanwaltschaft hat wegen einer Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck gegen vier Gefangene Anklage erhoben. Ihnen werde unter anderem gemeinschaftliche Geiselnahme, versuchte Gefangenenmeuterei und Nötigung vorgeworfen, teilte ein Behördensprecher am Mittwoch mit. Die Häftlinge sollen am 24. Dezember 2014 einen Vollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht haben und dadurch einen weiteren Beamten gezwungen haben, ihnen zwei verschlossene Türen zu öffnen.

Der Zwischenfall brachte Anfang 2015 die damalige JVA-Leiterin in Bedrängnis. Weil sie erst einen Tag später Polizei und Staatsanwaltschaft verständigte, musste sie ihren Posten räumen und wurde ins Justizministerium abgeordnet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt. Ein Ergebnis liege noch nicht vor, sagte der Sprecher. Auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW), die die Anstaltsleiterin zunächst in Schutz genommen hatte, war deshalb vorübergehend in politische Bedrängnis geraten.

Die vier Männer, die Heiligabend gemeinsam in einer Zelle verbrachten, hatten den Beamten mit vorgehaltenem Messer gezwungen, ihnen den Weg bis ins Erdgeschoss zu bahnen. Zuvor hatten sie ihm eine Rippe gebrochen, als sie ihn in ihrem Haftraum überwältigten. Ein unbeteiligter Gefangener kam dem Beamten schließlich zu Hilfe, so dass er sich aus der Gewalt der Geiselnehmer befreien konnte. 

Ob es tatsächlich zum Prozess gegen die vier Männer kommt, muss jetzt das Lübecker Landgericht entscheiden. Im Fall einer Verurteilung drohen den Männern mehrjährige Haftstrafen. Eine Chronologie der Ereignisse finden Sie hier.

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