Lübeck : Mutter im Axt-Mord-Prozess: „Haben keine Hilfe bekommen“

Mit einer Axt tötet ein psychisch Kranker seinen Stiefvater. Seine Familie hat seit Jahren gewarnt.

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06. März 2018, 17:16 Uhr

Lübeck | Die Schwester bedroht, die Mutter bestohlen und dann den Stiefvater erschlagen: Im Sicherungsverfahren gegen einen 32-Jährigen, der im August 2017 seinen Stiefvater im Wahn mit einer Axt getötet haben soll, haben am Dienstag die Angehörigen des Beschuldigten dessen schleichende Veränderung geschildert.

Ihr Bruder habe sie bedroht und die ganze Familie beschimpft, so dass sie sich schließlich von ihm abgewandt habe, sagte seine 35 Jahre alte Schwester im Zeugenstand. Der Beschuldigte leidet nach Aussagen von Ärzten an paranoider Schizophrenie. „Wir waren völlig hilflos, denn wir haben von keine Stelle Hilfe bekommen“, sagte seine Mutter aus, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt.

Ihr 65 Jahre alter Ehemann war am 17. August 2017 im Garten seine Hauses in Reinbek erschlagen worden. Seine Ehefrau fand die mit Reisig bedeckte Leiche, als sie am Abend von der Arbeit nach Hause kam. „Mir kam schnell der Verdacht, dass mein Sohn seinen Stiefvater getötet haben könnte“, sagte sie aus.

Wenige Monate zuvor war er in das Haus eingebrochen und hatte die Kreditkarte seiner Mutter gestohlen. Außerdem habe es mehrfach Streit zwischen den beiden Männern gegeben. „Sie mochten sich von Anfang an nicht“, sagte die heute 57 Jahre alte Mutter.

Der leibliche Vater des Beschuldigten schilderte vor Gericht, er habe in den Jahren vor der Tat vergeblich versucht, seinen Sohn zu einer Therapie zu bewegen. „Er weigerte sich und von den Behörden hieß es immer, gegen seinen Willen sei da nichts zu machen“, sagte der Vater, der in Berlin lebt. „Dabei war doch klar ersichtlich, dass er zumindest phasenweise nicht mehr klar denken konnte“, sagte der Vater.

Übereinstimmend sagten die Angehörigen am Dienstag, dass ihnen 2015 erstmals gravierende Veränderungen im Verhalten des Mannes aufgefallen seien. „Er hatte schon immer eine Vorliebe für Verschwörungstheorien, aber mit der Zeit wurde das immer schlimmer“, sagte sein 23-Jahre alter Halbbruder aus. Die Geschichten seien immer wirrer geworden. „Er behauptete, dass er verdeckt fürs Bundeskriminalamt arbeite, dass der US-Geheimdienst hinter ihm her sei und er in Japan der Staatsfeind Nummer eins sei“, sagte seine Mutter am Dienstag.

Mehrmals wurde der junge Mann seit 2015 in die Psychiatrie gebracht, aber immer schnell wieder entlassen mit der Begründung, ihm fehle nichts. „Sein Stiefvater hat mal gesagt, der junge Mann sei sehr manipulativ, der erzähle einem genau das, was man hören wolle“, sagte ein Bekannter des Getöteten am Dienstag aus. Der Prozess wird fortgesetzt.

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