Zeugen gesucht : Mutmaßlicher Messerangreifer aus Lübecker Linienbus schweigt

Die Polizei hat den Bereich um den Linienbus abgesperrt.

Die Polizei hat den Bereich um den Linienbus abgesperrt.

Ein Sachverständiger soll die Schuldfähigkeit des Tatverdächtigen klären. Es gibt auch eine gute Nachricht.

shz.de von
23. Juli 2018, 13:50 Uhr

Lübeck | Das Motiv für die blutige Messerattacke von Lübeck liegt weiter im Dunkeln. Der mutmaßliche Angreifer äußert sich nach wie vor nicht zu der Tat. „Er schweigt weiterhin zu den Tatvorwürfen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst, am Montag. Bei der Attacke in einem Linienbus waren am Freitag zehn Menschen verletzt worden. Der Tatverdächtige, ein 34 Jahre alter Deutsch-Iraner, sitzt seit Samstag unter anderem wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Von den Opfern sei mittlerweile nur noch ein 21 Jahre alter Niederländer im Krankenhaus, sagte Hingst. Auch er sei auf dem Wege der Besserung. Der Mann war am Freitag mit schweren Stichverletzungen in die Klinik gekommen. Am Freitagabend waren noch fünf Verletzte im Krankenhaus. Einen terroristischen Hintergrund der Tat hatte Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) bereits am Freitagabend ausgeschlossen.

Psychiatrischer Sachverständiger soll Täter begutachten

Ungeklärt im Raum steht weiterhin die Frage, ob und inwieweit der Beschuldigte psychische Probleme hat. „Wir haben aktuell keine Hinweise darauf, dass seine Schuldfähigkeit bei der Tatbegehung aufgehoben gewesen sein könnte“, bekräftigte Hingst am Montag. Um diese Frage untersuchen zu lassen, soll ein psychiatrischer Sachverständiger mit der Begutachtung beauftragt werden. Dies werde aber nicht mehr in dieser Woche geschehen.

 

Zunächst sei zu klären, welcher Experte zur Verfügung stünde. „Die psychiatrischen Sachverständigen sind alle sehr gut ausgelastet“, sagte Hingst. Dann müsse die Verteidigung die Möglichkeit bekommen, zur Auswahl des Sachverständigen Stellung zu nehmen. Und: Da ein Beschuldigter nicht aussagen und sich nicht belasten muss, ist er auch nicht verpflichtet, mit einem Sachverständigen zu sprechen. Auch dies müsse der Verteidiger mit seinem Mandanten erörtern. „Davon hängt der weitere Verlauf auch ab“, sagte Hingst.

Weitere Zeugen gesucht

Die Ermittler hoffen auch darauf, dass sich weitere Zeugen des Geschehens melden werden. Die Polizei hatte von 20 bis 25 Zeugen die Personalien aufgenommen. 17 davon wurden mittlerweile befragt. „Unsere Ermittler haben also mit Hochdruck die Zeugenvernehmungen vorangetrieben“, sagte Hingst. Darüber hinaus hätten sich aber bisher nur fünf weitere Zeugen gemeldet. Da nach Angaben des Fahrers rund 70 Fahrgäste in dem Bus waren, sind viele ohne Aussagen weggegangen. „Auf deren Aussagen sind wir dringend angewiesen“, sagte Hingst.

Dem festgenommenen 34-Jährigen werden auch gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung und versuchte besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft soll der Mann in dem Linienbus zunächst einen Rucksack angezündet und anschließend mit einem Messer wahllos um sich gestochen haben. Fahrgäste überwältigten den Mann schließlich und übergaben ihn der Polizei.  

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