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Landgericht Lübeck : Mit Video: Zweijährige gequält, missbraucht, vergewaltigt

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Er liebe seine Tochter und könne sich nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, sagte der Vater am Mittwoch im Gericht.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 11:22 Uhr

 

Lübeck | Das kleine Mädchen weinte, es flehte, schrie nach seiner Mutter. Es wehrte sich so verzweifelt, wie eine Zweijährige sich wehren kann – spuckte den Knebel aus, trat nach seinen Peinigern. Einer der beiden Männer, die sie über Monate missbrauchten, war ihr eigener Vater. Er filmte etliche der Taten und übertrug sie teilweise live in einen Internet-Chat. Die Staatsanwaltschaft  spricht von einem der gravierendsten Missbrauchsfälle der vergangenen 25 Jahre.

Seit Mittwoch steht Vater Johannes B. (28) vor dem Lübecker Landgericht. Er soll seine Tochter zwischen Sommer und November 2016 in neun Fällen sexuell missbraucht, dabei durch brutale Knebelung zweimal in Todesgefahr gebracht haben. Bei Verlesung der Anklage versagt Staatsanwältin Uta Haage mehrfach die Stimme, immer wieder muss sie mit den Tränen kämpfen.

Johannes B., ein kindlich wirkender Mann mit Pausbacken, legt ein Geständnis ab. „Ich räume komplett alles ein“, erklärt er mit ruhiger Stimme. „Mir ist unverständlich, wie ich das tun konnte, denn ich liebe meine Tochter.“ Der Mitangeklagte, IT-Dienstleister Thomas R. (47), gesteht unter Tränen drei der vier Anklagepunkte, die ihm zur Last gelegt werden. Er sagt: „Ich weiß nicht, warum ich zu einem Monster mutiert bin. Ich bin eigentlich ein friedliebender Mensch und hoffe, dass ich die Zukunft des Mädchens nicht zerstört habe.“

Beide Männer lernten sich in einem Chat für härtere Sexualpraktiken kennen, hatten zunächst Sex miteinander. Dann entschieden sie, die Zweijährige zu vergewaltigen. Die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz will vom Vater wissen: „Ihre Tochter schrie vor Schmerzen, hatten sie keine Hemmungen?“ Johannes B. antwortet: „Nein, keine. Ich habe Erregung gefühlt. Es war wie in einem Rausch.“ Weil die Tochter sich meist heftig wehrte, ohrfeigte er sie oder schlug mit einer Reitgerte zu. „Ich habe darauf geachtet, das nicht zu fest zu tun, damit es keine Spuren gibt.“ Bei einer rechtsmedizinischen Untersuchung wurden Speed und Alkohol im Blut des Kindes nachgewiesen. Die Mutter des Mädchens hat laut Staatsanwaltschaft den Missbrauch nicht bemerkt. Die beiden Männer hätten sich an der Zweijährigen vergangen, wenn die Mutter bei der Arbeit war.

Für die Vorführung der Filme mit dem Martyrium des Mädchens wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die furchtbaren Schreie des Kindes sind jedoch durch die geschlossene Tür zu hören. „Es ist ein Verbrechen, für das es keine Worte gibt“, sagt Großvater Torsten L., der Nebenkläger ist. Und: „Ich bin hier, um die Angeklagten stellvertretend mit dem Leid ihres Opfers zu konfrontieren. Sowohl mein Enkelkind als auch meine Tochter sind schwerst traumatisiert.“

Im Fall einer Verurteilung drohen beiden Männern bis zu 15 Jahre Haft. Jens Heinrich, Verteidiger von Johannes B., geht jedoch nicht von der Höchststrafe aus. „Mein Mandant wird vom Gutachter nicht als pädophil eingeordnet, er hat andere sexuelle Präferenzen“, erklärte der Rechtsanwalt. „Er möchte Macht ausüben und lässt sich aber auch gerne erniedrigen. Letztendlich war das Kind für ihn nur ein Mittel zum Zweck, um diese Präferenzen zu befriedigen. Sie sind so stark, dass der Sachverständige zu dem Ergebnis kommt, dass eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen rund 50 Abnehmer der Missbrauchsfilme, darunter die Teilnehmer des Live-Chats, die beide Täter sogar zu bestimmten Handlungen aufgefordert haben könnten. Für den Prozess sind sieben weitere Verhandlungstage angesetzt.Eckard Gehm

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