Mord an Lübecker Joggerin : Verlobte hält Angeklagten für unschuldig

Angeklagt: Norman L.
Angeklagt: Norman L.

DNA-Spuren an einem Messer führten auf die Spur des Angeklagten. Seine Verlobte sagt vor Gericht: „Ich bin überzeugt, dass er es nicht war.“

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04. November 2013, 17:12 Uhr

Schwerin | Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer Joggerin aus Lübeck hat sich die Lebensgefährtin des Angeklagten am Montag klar zu dem Mann bekannt. Sie liebe ihren Verlobten und halte immer zu ihm, sagte sie während der mehrere Stunden dauernden Befragung vor dem Schweriner Landgericht. Er habe ihr gegenüber bei einem Besuch in der Untersuchungshaft gesagt, er wisse nicht, was am Tattag geschehen sei. Sie glaube ihm und halte ihn nicht für den Täter. „Ich bin überzeugt, dass er es nicht war“, sagte sie.

Der ebenfalls aus Lübeck stammende Angeklagte, dem Mord, versuchte sexuelle Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen werden, verweigert in dem seit Oktober laufenden Prozess bislang die Aussage. Das Gericht hat deshalb auch zahlreiche Zeugen geladen, die zur Persönlichkeit des 45-Jährigen Angaben machen können.

Er soll die 29-Jährige am ehemaligen Grenzstreifen überfallen haben, um sich an ihr zu vergehen. Als die Läuferin sich gegen den Angriff wehrte, hat sie der Angeklagte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft aus Frust über den missglückten Übergriff und Angst vor Entdeckung erstochen. Die Frau, die ihre Eltern in Lübeck besucht hatte, war noch am Tatort verblutet. Ihre Eltern, ihr Sohn und ihr Witwer sind Nebenkläger in dem Prozess.

Sie habe mit dem Angeklagten, mit dem sie seit 13 Jahren zusammenlebe, vier Kinder, sagte die 35-jährige Zeugin. Sie schilderte ihn als häuslich, ordnungsliebend und streng, aber liebevoll bei der Erziehung der Kinder. Sie widersprach einer Familienhelferin des Jugendamtes, die nach Berichten von Familienangehörigen von Schlägen und Tritten gegen die jüngeren Kinder berichtet hatte. Es habe höchstens mal einen „Arschvoll“ gegeben, sagte die Zeugin.

Kurz vor der Tat habe sie die Verlobung zwar gelöst, aber nur aus einer „Laune“ heraus. Sie trage inzwischen den Ring wieder. Die mutmaßliche Tatwaffe, ein Messer, an dem die Ermittler DNA-Spuren des Angeklagten und der Toten fanden, habe sie dem Mann vor Jahren geschenkt. Auf Nachfrage des Gerichts berichtete die Frau auch von „Jähzorn“ des Mannes. „Aber ich glaube, mein Jähzorn ist schlimmer“, sagte sie.

Der Angeklagte war vier Tage nach der Tat im Juli festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Kinder sind inzwischen in Einrichtungen des Jugendamtes beziehungsweise in einer Pflegefamilie untergebracht. Das Gericht will in den kommenden Verhandlungstagen weitere Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten hören. Ein Urteil wird erst im kommenden Jahr erwartet.

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