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Lübeck : Eine Stadt, zwei Chorakademien

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das neue Projekt des alten SHMF-Intendanten Rolf Beck hat sich erstmals in Lübeck präsentiert – dort, wo auch das Musik-Festival residiert.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 08:14 Uhr

Lübeck | Bachs Johannespassion mit Helmuth Rilling, Pop und Jazz mit Vocal Six und die Uraufführung von Fazil Says „The Bells“ plus Orffs „Carmina Burana“ mit Martin Grubinger am Schlagwerk und Rolf Beck am Pult: Die Internationale Chorakademie Lübeck hat ihre erste Arbeitsphase beendet.

Von Beck einst für das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) erfunden, mit dem Ende seiner Intendanz daraus exportiert und ganze zehn Fußminuten vom SHMF-Sitz installiert, hat die Akademie nun losgelöst vom Festival gezeigt, wie Chöre klingen können. Am Ende haben Künstler und Publikum dem Initiator stehend Ovationen gebracht. Friede, Freude, Harmonie in der Stadt der Musik?

Der „Kassensturz“, den Beck am Morgen nach der Carmina Burana ankündigt, steht seltsam nüchtern neben dem Bekenntnis, dass er „sehr glücklich“ aus dem dritten Konzert gegangen sei: „Künstlerisch und pädagogisch lief dieses erste Frühjahr sehr, sehr gut. Ich werde alles tun, dass diese Akademie erhalten bleibt“, sagt er und kann einmal mehr nicht umhin, sich einem Thema zu nähern, das es offiziell nicht gibt in Lübeck, nämlich einem womöglich um Publikum wie um Sponsoren buhlenden Nebeneinander von SHMF und Chorakademie. Es gehe ihm einzig um Erhaltenswertes, sagt Beck.

Er wolle mit dem Festival ohnehin andere Wege einschlagen, bestätigt der neue SHMF-Intendant Christian Kuhnt und lässt 2014 für Mendelssohns „Elias“ statt Sängerprofis fähige Laien casten. Soweit, Konzerte im jeweils anderen Betrieb zu besuchen, geht die Höflichkeit allerdings auch im überschaubaren Lübeck nicht.

Beck plant indessen längst weiter ins Jahr. Im Mai singt sein Chor beim Internationalen Musikfest Hamburg, im Mai beim Haydn Orchester in Bozen, im Herbst geht es nach Korea und China, im Advent nach Stuttgart. Rilling sei vom Chor so angetan gewesen, dass er ihn beim Weihnachtsoratorium dabei haben wolle, sagt Beck.

Wie sich die zu erwartende Qualität künftig auch im Ticketverkauf besser niederschlagen kann, gehört zu den Hausaufgaben, die erledigt werden sollen. Weder hat Rilling den Dom voll bekommen, noch haben die Magneten Grubinger und Say die Musik- und Kongresshalle restlos füllen können, und das, obwohl die Carmina Burana in der eleganten Fassung für gemischten und Kinderchor, Solisten, zwei Klaviere und Schlagzeug sich schon 2011 beim SHMF ebenfalls mit Grubinger und Say bewährt hatte. Ganz finster, weil schlecht besucht, sah es beim Nachmittag mit den Schweden Vocal Six aus.

„Wir wollen weitermachen. Aber ich werde mich auf keine Abenteuer einlassen“, sagt Beck und startet im Frühjahr in eine neue Arbeitsphase. Auf alle Fälle werde es eine Internationale Chorakademie bis Herbst 2015 geben. So lange reicht der finanzielle Atem mit der laufenden Sponsorenrunde.

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