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Lübeck

20. August 2017 | 08:32 Uhr

Lübecks Dörfer – abgehängt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Austausch der Ortseingangstafeln läuft seit 2012 / Der Hinweis „Universitätsstadt“ stößt jetzt im Süden der Stadt auf Unverständnis

Die Hansestadt macht sich gerne mal groß: So auch beim Austausch ihrer Ortseingangsschilder. Und das hat in den lübeckischen Dörfern im Süden Kritiker auf den Plan gerufen.

Zur Vorgeschichte: Im September 2010 hatte die Lübecker Bürgerschaft mit großer Mehrheit beschlossen, die Ortseingangsschilder der Stadt bei einem – ohnehin fälligen – Wechsel gegen Schilder mit dem Zusatz „Universitätsstadt“ auszutauschen. Mit dieser Geste sollte an die Verbundenheit der Lübecker mit „ihrer Uni“ erinnert werden, die sich in einem tapferen Kampf gegenüber dem Land erfolgreich für deren Erhalt eingesetzt hatten. Ab 2012 wurden die ersten neuen Ortstafeln ausgetauscht. In diesen Tagen waren nun Schilder in Lübecks Süden an der Reihe. Statt bisher „Hansestadt Lübeck Ortsteil Niederbüssau“ heißt es jetzt „Hansestadt Lübeck Universitätsstadt“. Dann folgt etwas weiter entfernt eine kleinere weiße Hinweistafel mit der Aufschrift „Niederbüssau“. Einige Bewohner empfinden das als Verlust lokaler Identität und melden sich zu Wort. Die „Initiative für Lübecks ländlichen Raum e.V.“ hat deshalb jetzt eine Umfrage gestartet. Darin geht es um Antworten auf diese Fragen: „Wie empfinden die betroffenen Lübecker in ihren Ortschaften den Schilderwechsel? Wurden sie gefragt? Wird dadurch die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Wohnort reduziert? Ist es sogar Identitätsverlust und Gleichmacherei? Hätte man nicht auch den Ortsnamen zusätzlich beibehalten können?“

Detlev Stolzenberg, „Initiative für Lübecks ländlichen Raum“: „Ob positiv, egal oder negativ – ein Meinungsbild ist interessant. Wir wollen zu dieser Aktion eine lebhafte Diskussion initiieren. Was denken die Betroffenen?“ Die Initiative schlägt im Fragebogen folgende Antwortmöglichkeiten zum Ankreuzen vor:

>1. Blödsinn aus Schilda, die alten Schilder sollten wieder aufgestellt werden.

>2. Bei solch einem Thema sollten die Menschen in den Orten mitbestimmen dürfen.

>3. Es ist schade, schließlich steht der Ortsname für den Ort.

>4. Es ist egal, Niederbüssau ist ja auch Lübeck.

>5. Es ist toll, Niederbüssau ist jetzt als Teil der Universitätsstadt Lübeck erkennbar.

„Wir freuen uns über viele Antworten auf unserer Seite ini-hl-land.de/?p=1160. Gerne auch mit weiteren Argumenten“, so Detlev Stolzenberg: „Anregungen der Einwohner sollen dann der Verwaltung vorgelegt werden.“

Bei der Stadt sieht man die neue Initiative gelassen. Der Prozess sei ja längst auf den Weg gebracht. Der Austausch sei zwar kostspielig, weshalb in Zeiten knapper Kassen um Spenden gebeten und Sponsoren gebeten worden sei. Schnell waren für die ersten Tafeln 18  000 Euro zusammen gekommen. Allein die Universität zu Lübeck und deren Beschäftigte und Professoren spendeten 11  000 Euro. Mit dem Austausch gab es keine Probleme in Buntekuh, Schönböcken, Reecke, Genin und Niendorf – erst der Lübecker Süden merkt auf.

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