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Lübeck

26. September 2017 | 06:02 Uhr

Lübecker Schatz hält Wissen wach

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

113 Jahre altes Bootsmodell der Sugpiat-Alutiiq Eskimo von Kodiak-Island wurde jetzt erstmals in Originalgröße nachgebaut

Seit 113 Jahren besitzt die bedeutende Lübecker Völkerkundesammlung ein Miniatur-Bootsmodell der Sugpiat-Alutiiq Eskimo von Kodiak-Island, Alaska (USA). Weltweit sind zehn dieser Modelle in Museen erhalten. Kurz vor der Eröffnung ihrer jährlichen Ausstellung kann die Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck nun mit einer kleinen wissenschaftlichen Sensation aufwarten: Das Bootsmodell wurde von Vertretern der Sugpiat-Alutiiq in Originalgröße von gut acht Metern nachgebaut.

Im Jahr 2009 kam der Direktor des Alutiiq-Museums aus Kodiak, Dr. Sven Haakanson, nach Lübeck, um das Boot und seine Ausstattung genauer zu untersuchen. Das mit Häuten von Seelöwen bespannte Angyaaq war ein großes, offenes Boot, das traditionell dazu diente, Gruppen bis zu 20 Personen zu transportieren. Früher besaß jedes Dorf ein Angyaaq. Die traditionelle Bugform ermöglichte schnelle Fortbewegung und sparte Kraft. Um den Sugpiat-Eskimo die Möglichkeit zu nehmen, sich von der Insel zu entfernen, zerstörten im 18. Jahrhundert Vertreter der russischen Kolonialmacht diese Boote. Die Eskimo haben seither das Wissen über den Bootstyp verloren. Deshalb sind die weltweit erhalten geblieben zehn Modelle von großer Bedeutung. „In den Miniaturen wurde das Wissen bewahrt, wie die Boote zu bauen sind“, sagt der Ethnologe Haakanson, der mittlerweile am Burke Museum of Natural History and Culture arbeitet und an der University of Washington lehrt. „Jetzt bringen wir das Wissen wieder zurück.“ Seit Sommer 2015 hat er mit Freiwilligen und Angehörigen seines Volkes Boot und Paddel detailgetreu und in Originalgröße nachgebaut. „Das ist nach beinahe 200 Jahren das erste Angyaaq-Boot, das wieder zu Wasser gelassen wurde“, freut sich Haakanson. Er bezweckt nicht nur die Wiederherstellung einer verloren gegangenen Tradition, sondern blickt auch nach vorn: „Mit diesem bestens an unsere Umweltbedingungen angepassten Boot können wir auch im Nachölzeitaler in unserer angestammten Region weiterleben“.

„Das Beispiel zeigt schön, dass Völkerkundesammlungen als Wissensspeicher für indigene Völker ebenso wie für die Wissenschaft an Bedeutung gewinnen“, sagt Dr. Brigitte Templin, die Leiterin der Völkerkundesammlung. Die Lübecker Sammlung erhält durch ihre international bekannte hohe Qualität immer wieder Anfragen nach ihren Beständen aus der ganzen Welt.

Auch die Ausstellung, die ab 5. Juni zu sehen sein wird, zeigt etwas Besonderes, das von der Forschung bisher weitgehend unbeachtet geblieben ist: die „Aklama“ genannten Geistwesen der Ewe und Dangme aus Ghana aus der Sammlung des Künstlers Prof. Dr. Horst Antes.

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