Lübeck will mehr kleine Kreuzfahrer

Bau eines Terminals für große Kreuzfahrtschiffe am Skandinavienkai unrentabel

shz.de von
14. Januar 2015, 12:32 Uhr

Der Kreuzfahrttourismus boomt. Davon könnte auch die Hansestadt Lübeck stärker profitieren, wenn ein entsprechender Terminal vorhanden wäre. Am Ostpreußenkai – in Travemünde an der Prachtstraße „Vorreihe“ gelegen – können aber nur kleinere Schiffe mit einer Länge bis zu 200 Metern anlegen. Für die großen Kreuzfahrer gibt es nur den weiter entfernten weniger attraktiven Skandinavienkai, der eigentlich für RoRo-Fähren konzipiert ist. Passagiere müssen hier immer mit Bussen direkt von den Schiffen abgeholt werden.

Eine Studie der Industrie- und handelskammer (IHK) zeigt, dass Lübeck mit einem eigenen Terminal mit einer Länge von 300 Metern im Schnitt 51 zusätzliche Anläufe von großen Kreuzfahrtschiffen gewinnen könnte. Dazu kämen rund 20 kleinere Schiffe am Ostpreußenkai. Für Lübeck würden die zusätzlichen Gäste einen erheblichen wirtschaftlichen Impuls bedeuten. Die Wertschöpfung in diesem Bereich könnte sich von 800  000 Euro auf rund acht Millionen Euro verzehnfachen. Damit könnten auch die Steuereinnahmen der Stadt steigen.

Technisch wäre das neue Terminal im nördlichen Bereich des Skandinavienkais problemlos zu realisieren. „Wirtschaftlich allerdings nicht“, sagt Prof. Dr. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschat (LHG). Jürgens hat alle Möglichkeiten, inklusive Fördermittel der EU, durchrechnen lassen. Für den Hafenbetreiber sei es ein Verlustgeschäft. Probleme bereiteten auch die langen Planungszeiten für Kreuzfahrtschiffe. Sie werden zwei bis drei Jahre vor dem Start terminiert, die Planung bei den RoRo-Fähren läuft über nur sechs Monate.

Der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft hat sich deshalb dafür ausgesprochen, verstärkt um kleine Kreuzfahrtschiffe zu werben, die am Ostpreußenkai festmachen können. Auch hier gebe es noch Potenzial.

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