Lübeck: Vorrang für Fußgänger

Der Bauausschuss beschließt einstimmig den langfristig angelegten „Rahmenplan Innenstadt“

Avatar_shz von
21. August 2019, 13:50 Uhr

lübeck | Der Bauausschuss der Lübecker Bürgerschaft hat den „Rahmenplan Innenstadt“ mit einigen kleinen Änderungen einstimmig beschlossen. Kernpunkt ist eine Prioritätenliste bei künftigen Planungen. Vorrang haben Fußgänger, dann die Radfahrer und schließlich der Öffentliche Personennahverkehr. Der sogenannte motorisierte Individualverkehr steht damit in Zukunft an letzter Stelle.

Die Verwaltung der Hansestadt hatte nach mehreren Bürgerbeteiligungen ein Konzept mit 20 Projekten vorgelegt, die überwiegend den Verkehrsbereich betreffen. Auf Wunsch von CDU und SPD gab es eine wesentliche Ergänzung: Der Bürgermeister soll prüfen, wie die entfallenden Parkplätze ersetzt werden können.

Der „Rahmenplan Innenstadt“ sieht zwar konkrete Planungen vor, aber deren Umsetzung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Auftakt soll die versuchsweise Sperrung des oberen Teils der Beckergrube machen, in der bekanntlich das Theater Lübeck beheimatet ist. Der Bauausschuss wünscht sich das erste Quartal 2020 als Beginn, die Stadtverwaltung will das Vorhaben aber erst später umsetzen. Der Grund: Ein neu zu schaffender Theaterplatz werde im Januar und Februar keine Akzeptanz finden. Und die Verkehrseinschränkungen seien nur dann durchsetzbar, wenn die Einwohner der Stadt auch die Vorteile bemerkten. Die letzte noch bestehende Durchquerungsmöglichkeit der Altstadtinsel werde damit nämlich entfallen.

Die weiteren Projekte der ersten Stufe nach dem „Rahmenplan Innenstadt“ werden frühestens Ende 2020 umgesetzt: die Umgestaltung des lange brachliegenden Rathaus-Hofes, die Sanierung der Fahrradstraße, die Verbesserung der Straßenquerung am Burgtor sowie die Sanierung der Holstenstraße und ebenso eine fußgängerfreundliche Gestaltung des Kohlmarktes. Bis zum Sommer kommenden Jahres sollen zunächst einmal die Kosten ermittelt werden.

Ein Problem kam im Bauausschuss zur Sprache: Die Lübecker Innenstadt gilt seit 30 Jahren als „autofrei“, was sich im Bewusstsein zahlreicher Verkehrsteilnehmer augenscheinlich nicht durchgesetzt hat. Und: Eine Kontrolle in den eigentlich gesperrten Straße findet nur selten statt. So räumte selbst Dr. Ulrich Brock (CDU) ein, sich mitunter dabei zu erwischen, in die „autofreie Altstadtstraße“ einzufahren. Brock: „Früher gab es da Kontrollen.“

Auch die Sperrung der Durchfahrt vom Burgtor in die Beckergrube gab es bereits vor 30 Jahren einmal. Damals war die Sperrung aber wieder aufgehoben worden, nachdem im Bereich Große Burgstraße und Koberg ein Großteil der Geschäfte und Büros aufgeben musste.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen