zur Navigation springen
Lübeck

18. Oktober 2017 | 17:09 Uhr

Lübeck und die Fotografie

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Sonderausstellung zur Geschichte der Fotografie in Lübeck ab Sonntag im Museum Behnhaus-Drägerhaus

Die Lübecker Museen haben wieder einen Schatz gehoben. Aus eigenen Beständen hat das Behnhaus Drägerhaus die Sonderschau „Fotografie in Lübeck 1840 – 1945“ zusammengestellt: 450 Aufnahmen von zirka 80 Fotografinnen und Fotografen. Zu besichtigen sind dokumentarische und ästhetische Blicke auf die Stadt, in ihre Geschichte, auf ihre Bewohner – der frühe Umgang mit dem Medium Fotografie und der erste Gesamtüberblick über die Lübecker Fotosammlung überhaupt.

Der Maler Joseph Wilhelm Pero muss behext gewesen sein von den Möglichkeiten der Fotografie. Kaum war die in der Welt, da machte sich der Sohn eines spanischen Artilleristen in französischen Diensten und einer Kaufmannstochter die neue Technik zu nutze und geht als erster Fotograf Lübecks in die Stadtgeschichte ein. Mit Werken von ihm – Porträts und Architekturansichten - eröffnet die Ausstellung im Behnhaus Drägerhaus und in diesem ersten Raum springt der Funke über: Alexander Bastek, der Leiter des Hauses, und Kurator Jan Zimmermann haben es verstanden, die Faszination herauszukitzeln, die Pero gepackt haben muss: neue Möglichleiten, welche die Welt des Künstlers erweitert haben.

Spätestens seit 1843 war Pero als berufsmäßiger Daguerreotypist tätig und zugleich der erste niedergelassene Fotograf Lübecks. Die Fotografie war zu dieser Zeit noch jung. 1839 hatte die französische Regierung das fotografische Verfahren des Malers Louis Jacques Mandé Daguerre aufgekauft und der ganzen Welt zum Geschenk gemacht. Noch im gleichen Jahr ist auch in Lübeck die erste dieser auf mit lichtempfindlicher Silberschicht überzogener Kupferplatte gebannte Aufnahme zu sehen. Die Ausstellung zeigt 40 der in Lübeck vorhandenen 170 Daguerreotypien.

Und in den Lagern haben weitere Kleinode geschlummert: Ambrotypien, bei denen der Bildträger statt aus Metall aus Glas ist, Abzüge aus Salzpapier, auf Albumin-, Kollodium- und Silbergelantinepapier – es ist einerseits eine Einladung zum Streifzug durch die Geschichte der Fotografieverfahren, andererseits eine Safari durch Lübecks Geschichte. Werke der Brüder Hermann und Carl Linde sind zu sehen. Im Raum des Munch-Gemäldes „Die Söhne des Dr. Max Linde“ ist nun eine Fotografie dieser vier Jungen zu sehen.

Zwei Dokumente der Sturmflutschäden von 1872 sind zu sehen, der Dichter Emanuel Geibel auf dem Totenbett, der im Foto um so vieles älter aussieht als auf dem benachbarten Druck. Beigefügt sind Aufnahmen von Hildegard Heise, Frau des Behnhaus-Gründers Carl Georg Heise, die anrührendste ist ein Porträt Ernst Barlachs. Julius Appel, der mehr als 50 Jahre lang als Fotograf an der Trave tätig war, hat die Zeit des Ersten Weltkriegs von der Begeisterung bis zu den Bestattungen festgehalten und später die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Lübeck dokumentiert.

Von Robert Mohrmann, dessen Werk bislang kaum beachtet wurde, ist eine „Sammlung Lübecker Zeitgenossen“ aus den 1920-er und 1930-er Jahren zu sehen: Kaufleute, leitende Angestellte, der Turmwärter der Petrikirche und seine Frau, Julius Leber, der erste SPD-Bürgermeister Paul Löwigt und neben ihm sein Nachfolger, der NSDAP-Mann Otto-Heinrich Drechsler. Mohrmanns Arbeiten wurden schon zu seinen Lebzeiten so geschätzt, dass er mit ihnen einst Steuerschulden begleichen konnte. Zu sehen sind mit fünf Aufnahmen des Künstlers David Octavius Hill auch „fünf absolute Perlen der Fotografiegeschichte“ (Bastek); Carl Georg Heise hatte einst 40 von heute für Lübeck unbezahlbaren Hill-Werken angekauft.

Der Besucher saugt eine Fülle von Eindrücken auf – und erlebt dies als kleines Wunder in einer Zeit, in der Fotografie allzeit möglich geworden ist.

>Die Ausstellung: „Fotografie in Lübeck 1840 – 1945“. Zu sehen vom 1. Mai bis zum 28. August 2016 im Museum Behnhaus Drägerhaus, der Königstraße 9-11. Mehr Information im Internet unter www.museum-behnhaus-draegerhaus.de



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen