Lübeck und Bewohnende

Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) .
Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) .

Eine Arbeitsgruppe für diskriminierungsfreie Sprache auf der Suche nach einer Anredeformel

shz.de von
29. April 2019, 16:30 Uhr

Lübeck | Rund 220.000 Menschen leben mittlerweile in der Hansestadt Lübeck, Tendenz steigend. Wie soll man diese Menschengruppe in ihrer Gesamtheit ansprechen? Diese Fragestellung bewegt die Stadtverwaltung, denn der schriftliche Kontakt mit Betroffenen soll zeitgemäß und „politisch korrekt“ sein.

Seit Jahren ziehen sich die Versuche einer diskriminierungsfreien Sprache durch die Amtsstuben. Die Anredeformel „Lübeckerinnen und Lübecker oder liebe Einwohner, liebe Einwohnerinnen“ hat sich in der Zwischenzeit in den Sprachschatz der Würdenträger wirkungsvoll eingeschlichen. Jetzt aber gibt es – offiziell beglaubigt – drei mögliche Geschlechtsangaben: männlich, weiblich, divers. Wie als kann diesem Umstand Rechnung getragen werden? Schließlich sollen die amtliche Schreiben verständlich und ohne jedwede Form der Ausgrenzung formuliert. Wie bezeichnet man die Einwohnerschaft Lübecks? Lübeckerinnen und Lübecker? LübeckerInnen oder Lübecker_innen oder die neueste druck-, aber nicht sprachfähige Variante: Lübecker*innen?

„Es gibt eine Arbeitsgruppe in der Stadtverwaltung, die sich mit geschlechtsneutraler Sprache beschäftigt“, berichtet Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Die bisherige Verwendung von weiblichen und männlichen Anredeformen entspreche nicht mehr den Anforderungen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe werden zwar erst in einigen Wochen vorliegen, aber der Verwaltungschef verrät bereits das neue Konzept in seinem Hause: Es soll geschlechtsneutral formuliert werden.

Was hat das für Auswirkungen? Womöglich wird es in Zukunft keine Parkausweise für „Bewohner/in“ geben, sondern für „Bewohnende“ – falls der Arbeitsgruppe nicht doch noch ein treffenderer Begriff einfällt.

Diese Möglichkeit, Sprache geschlechterneutral umzugestalten, ist nicht neu: So wird bereits seit Jahren an Hochschulen nicht mehr von Studentinnen und Studenten geredet, sondern die Bezeichnung „Studierende“ verwendet, wenngleich die so bezeichneten Menschen diese Tätigkeit gar nicht rund um die Uhr ausüben und der an einer Hochschule eingeschriebene Mensch, nicht nur Studierender ist, sondern zugleich ein Bewohnender und womöglich noch manches andere mehr.

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